Das Wesentliche sehen

Mitunter ist geradeaus fahren eine gute Strategie

Damit Menschen wachsam und aufmerksam alles Wichtige um sie herum registrieren und darauf reagieren können, haben sie ein ständig präsentes Arbeitsgedächtnis, ähnlich dem Arbeitsspeicher eines Computers. Dies gilt ganz offensichtlich aber nicht für mich. Denn mein Arbeitsgedächtnis hat die wenig zielführende Eigenschaft auf langen, geraden Straßen umstandslos in den Stand-by-Modus zu wechseln. Abbiegen oder andere richtungsändernde Maßnahmen, die zur Zielerreichung meist notwendig sind, unterbleiben so vollständig. Doch das hat auch sein Gutes. „Das Wesentliche sehen“ weiterlesen

Steinzeit

Wenn 16jährige verreisen und 40jährige 50jährigen den Ablauf erklären, dann wird es äußerst unterhaltsam.

Der Typ rechts neben mir mit dem iPhone 4 spielt ein bisschen damit rum. Die Frau gegenüber schreibt noch schnell eine SMS und das Schülerpaar ein paar Bänke weiter tauscht per Handy Adressen. Ich bin mitten im Land der unbegrenzten Kommunikation. Im Land von Facebook, Twitter und Co. Bis die Veranstaltung beginnt und wir die Steinzeit betreten. „Steinzeit“ weiterlesen

Mein Haus, mein Auto, meine Yacht

Gott kann`s bezeugen, ich bin nicht neidisch. Doch weshalb bekommt der Depp vom Marketing schon wieder mehr Geld?

Ich kenne keinen einzigen Menschen der jemals frank und frei eingestanden hätte „Ja, ich bin neidisch und das ist gut so.“ Ok, so etwas wie Fastneid, also die unmittelbare Stufe vor dem eigentlichen Neid, kommt schon mal vor. So wie am Samstagvormittag in der Innenstadt. Die Pflicht, der Lebensmitteleinkauf für`s Wochenende ist erledigt was nun folgt ist die Kür. Espresso mit meiner Frau beim Italiener. Wie üblich betrete ich als erster den Laden, weil ich irgendwo gelesen habe, das gehört sich so. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass es der alte Militärstratege Clausewitz anders gesehen hätte. Die vorderen Reihen sterben nämlich immer zuerst. „Mein Haus, mein Auto, meine Yacht“ weiterlesen

Erzähl mal

Gute Unternehmen haben gute Geschichten

„Weißt du noch, wie wir uns zu viert einen Schreibtisch geteilt haben, weil für mehr kein Geld da war?“ Wenn Menschen von ihren Unternehmen erzählen, dann sind das meist keine Geschichten über Deckungsbeiträge, Zahlungsziele oder Kennzahlen. Es sind Beschreibungen besonderer Erlebnisse die eine bleibende Erinnerung in ihnen hinterlassen haben. Zusammen genommen bilden alle diese einzelnen Geschichten den Kern dessen was das Unternehmen ausmacht, seine Kultur. So wie die Geschichte vom Chef und der Schraube. „Erzähl mal“ weiterlesen

Darf`s ein bisschen mehr sein?

Spezial- und Breitenwissen in eine gute Balance bringen.

Immer wieder lerne ich Menschen kennen die in ihrem begrenzten Fachgebiet derart viel Ahnung haben, dass mir schwindlig wird. Doch mitunter sind sie ein wenig unbeholfen, wenn es um fachferne Inhalte geht. So war es auch bei dem jungen, smarten Anzugträger den ich im Wartebereich des Flughafens traf. Er telefonierte, was ganz offensichtlich alles andere als einfach war. „Nein, ich kann am Montag nicht, da supporte ich meine Frau.“ Kurze Stille, dann ging`s weiter. „Nein, ich verorte nicht meine Frau, ich s-u-p-p-o-r-t-e sie zu Hause.“ Erneute Pause und diesmal schon mehr Unbehagen in der Stimme des jungen Mannes. „ Mensch, das kann doch nicht so schwer sein. Meine Frau bekommt ein Kind, da helfe ich zu Hause ein wenig mit. Alles klar?“ Als T-Shaped People hätte er es da sicherlich einfacher gehabt. „Darf`s ein bisschen mehr sein?“ weiterlesen

Die Rentnergang

Dürfen, müssen aber nicht.

Neulich in der Post. Meine Krankenkasse möchte sich liebevoll meiner Wirbelsäule annehmen: „Der Rücken wird`s Ihnen danken Herr Schröder“ und mein Optiker widmet sich hingebungsvoll den Auswirkungen meiner Hardrockvergangenheit: „Lieber Herr Schröder, wir haben Hörgeräte jeder Preisklasse“. Ich bin gerührt. Da sitzen irgendwo, in hellen Großraumbüros, liebevolle Menschen die sich um mich sorgen. Sie möchten mich, für ein langes und unbeschwertes Leben, weit über die Zeit meiner Berentung hinaus, fit halten. Das finde ich gut. Und das findet die Wirtschaft auch. Denn immer öfter wird das Wissen der Rentner wieder ins Unternehmen zurück geholt. Wäre doch schade wenn`s bei mir daran scheitert, weil ich gramgebeugt und taub bin. „Die Rentnergang“ weiterlesen

Denen geht`s schlechter

Falsche Entscheidungen können einem das Leben so richtig schwer machen.

Da freue ich mich auf einen schönen Abend mit launigen Menschen, gutem Essen und dem einen oder anderen Gläschen Wein und dann das: „Sag mal, wie bist du mit den falschen Entscheidungen in deinem Leben eigentlich umgegangen?“. Wow, das ist mal eine steile Eröffnung für einen entspannten Abend. Da wandelt man so nolens volens durchs Leben, ist mit dem Ergebnis einigermaßen einverstanden und schaut darauf wie der Gärtner auf seine Streuobstwiese, in der der eine oder andere faule Apfel am Boden munter vor sich hin gammelt. Und über dieses moderige Zeug wollen wir jetzt reden? „Denen geht`s schlechter“ weiterlesen

Sollbruchstellen

„Das hält ja ewig. Sind Sie verrückt geworden?“

Mein ganz großer Traum so der Titel eines wundervollen Films, zeigt wie der Fußball nach Deutschland kam. Mein ganz großer Traum in den 1960zigern waren richtige Fußballstiefel. Solche aus Leder mit Schraubstollen und natürlich mit drei weißen Streifen an der Seite. Adidas. Sie zu besitzen bedeutete ganz oben angekommen zu sein und ein ganz tiefes Loch in die Haushaltskasse der Familie gerissen zu haben. Letzteres fand ich nicht so dramatisch, ganz im Gegensatz zu meiner Mutter. Sie sorgte dafür, dass die Fußballschuhe länger hielten, indem sie sie drei Nummern größer kaufte. Ich war klein, hatte große abstehende Ohren, das Gesicht voller Sommersprossen und sah mit den Dingern aus wie Charlie Chaplin auf Urlaub. „Sie sind teuer, sie müssen lange halten, stell dich nicht so an“. Gradlinige Erziehung in den Sechzigern. Und die Schuhe hielten ewig. Damals kannte Adidas wohl noch keine Obsoleszenz, sonst wäre ihnen solch ein Fehler nicht unterlaufen. „Sollbruchstellen“ weiterlesen

2 Stirnlappen sind eindeutig zu wenig

Multitasking  ist auch nicht der Weisheit letzter Schluss, denn es führt zu miserablen Ergebnissen.

Ein kalter, sonniger Januarvormittag. Ich bin auf dem Weg zu einem geschäftlichen Termin nach Hannover. Die Autobahn ist frei, der Verkehr fließt und ich mit ihm. Der Tacho zeigt Umwelt und Nerven schonende 110 Km/h, die meine Ehefrau stets mit dem Satz kommentiert: „Wenn Du noch langsamer fährst, fahren wir rückwärts.“ Es ist wundervoll von aufmunternden Menschen umgeben zu sein. Doch jetzt bin ich allein mit meinen Gedanken. Und die können locker das ganze Auto füllen. Ist das Projekt auf dem gewollten Stand? Habe ich an alles gedacht? Was muss als nächstes geschehen? Wann komme ich zurück? Bleibt noch Zeit, um den morgigen Termin durchzugehen? „2 Stirnlappen sind eindeutig zu wenig“ weiterlesen

Einige haben Hamster vor ihrem Fenster

Missverständnisse können Spaß machen.

Ich: „Das Fenster ist offen“. (Verdammter Mist, ist das hier kalt. Mach endlich das Fenster zu.) Sie: „Ja, die frische Luft tut gut“. (Hier stinkt es. Und du, mach ruhig das Fenster zu, wenn Du Streit willst). Dies, ein typisch Norddeutscher Dialog. Kurz, sachlich und informativ. Alles ist gesagt, das Meiste gedacht und jeder weiß woran er ist. Wir sind eben Experten darin, hochkomplexe Sachverhalte in leicht zu verstehende, aber schwer zu verdauende Bauteile zu zerlegen. OK, hierbei können gelegentlich Missverständnisse auftreten. Auch längere Perioden des Schweigens sollen schon beobachtet worden sein. Aber die haben Süddeutsche auch, wie ich bei einer Lesung des Journalisten und Buchautors Axel Hacke in Bremen erfuhr. Sein weißer Neger Wumbaba kann einiges darüber erzählen. „Einige haben Hamster vor ihrem Fenster“ weiterlesen