Das liebe Geld – 3 Monate Bali 8/12

Habe gerade auf Spiegel Online gelesen, dass Bali ein zunehmendes Problem mit bettelnden Touristen hat. Sie reisen hierher, setzen sich an die Straße oder den Strand, breiten ein kleines Schild vor sich aus, auf dem so oder ähnlich steht: „Bin auf Reisen, brauche Geld.“ Bemerkenswert. Und wie der Zufall es so will, werde ich in einigen Tagen, wenn mein Bargeld zur Neige geht, mich dazu setzen.

Bisher habe ich mich aus den Geldautomaten mit Bargeld versorgt. Das war nicht immer einfach, ich berichtete an anderer Stelle darüber, aber es ging. Vorgestern wollte ich nun meinen Bestand auffüllen. Gesagt getan, reihte ich mich in die Schlange vor dem Automaten ein. Immer mit der Befürchtung, wenn ich dran bin ist der Kasten leer. Mal sehen. Karte in den Schlitz, dann durch die selbsterklärende Beschreibung und warten, dass sich das Fach mit dem Bargeld öffnet. „Wir können den Prozess leider nicht beenden. Bitte versuchen sie es erneut.“ Hahaa, eine neue Variante balinesischen Humors, dachte ich noch voller Zuversicht. Geld gibt es erst nach dem dritten Versuch.

Mein vierter Versuch. Die Schlange an Menschen hinter mir war ziemlich angewachsen. Sie stieß bedrohliche Laute aus, die sich anhörten als würde man einem Tiger das frisch erlegte Gnu rauben. Egal, ich gehe hier nicht ohne Geld weg. Dabei nahm ich den Automaten mit beiden Händen fest in den Griff. Dann schüttelte ich ihn wie einen Flipper. Sie wissen, dass sind die Spielgeräte die früher in jeder Kneipe standen. Und die man durch gezielte Stöße zur Arbeit anhalten musste. Wie in meiner Jugendzeit gilt, wer gut ist flippert nicht laut- und vor allem nicht emotionslos. „Du kleines Miststück, Geld her und ich schüttel dir das Leben  aus deinen mechanischen Eingeweiden.“ Doch weder Flipper noch Geldautomat lassen sich von so etwas nachhaltig beeindrucken. Das Ergebnis meiner Bemühungen, kein Bargeld. Stattdessen stand eine freundliche Bankmitarbeiterin hinter mir. Diskret verstärkt durch einen Wachbeamten mit Maschinenpistole. „Sir, can I help you“?“

Es stellte sich heraus, dass meine Kreditkarte gesperrt wurde wegen unklarer Transaktionen. Bloß wegen dem bißchen schütteln? Die Technik hält auch gar nichts mehr aus. Falls Sie mich suchen, ich setze am Strand mit einem Schild…..

Zusammenhalt stärken – 3 Monate Bali 7/12

In regelmäßigen Abständen finden im Workspace Veranstaltungen statt. Zu Themen, die im großen und ganzen mit dem Leben der Digitalen Nomaden von Bedeutung sind. Es sind Vorträge mit anschließenden Diskussionen. Mal geht es um Technik, dann wieder um Psychologie und oft um Marketing. Dennoch liegt der Vorteil dieser Veranstaltungen aus meiner Sicht nicht in der Vermittlung von Wissen, sondern im Verbinden und Herstellen eines Gemeinschaftsgefühls. Im Kern nichts anderes als eine andere Form der Teambildung. Nur zielt sie hier weniger darauf ab ein Team zu stärken, sondern die Isolation aufzuheben. Man kennt sich und kann den Einen oder die Andere um Rat, Hilfe und Unterstützung fragen. Das ist gut gemacht, finde ich.

Leider gibt es Essen und Trinken nicht umsonst :-). Doch ist das bei den Preisen hier auf Bali alles andere als schlimm.

Das Alter – 3 Monate Bali 6/12

An einen gut besuchten Tag bietet das Workspace im Hauptraum an die 40 offenen Arbeitsplätze. Hinzu kommen die geschlossenen Meetingräume, und die Plätze im offenen Bereich, sprich im Garten. Wenn alle Plätze belegt sind, mögen es zwischen 50 und 60 sein, wohlgemerkt Stühle und andere Sitzgelegenheiten. Ansonsten ist die Kapazität unbegrenzt, wenn man bereit ist, sich auf den Rasen zu setzen.

An anderer Stelle habe ich es schon beschrieben, das Durchschnittsalter der DN (Digitalen Nomaden): Es ist niedrig. Und das hat seine Gründe. In den gesamten Tagen, die ich hier verbrachte habe, hat es nicht einen gegeben, der die magische Grenze von 40 Jahren auch nur annähernd berührte. Vielmehr waren die allermeisten zwischen 20-30 (geschätzt), was sich im Gespräch bestätigte. Also, die Frage lautet, weshalb ist diese Form der Arbeit nichts für, ja was, Mittelalte? Zuallererst scheint mir von Bedeutung, dass es im Kern ein isoliertes Leben ist. Die physischen Kontakte, wenn man an einem Ort keine Wurzeln schlägt, sind vorübergehend. Natürlich, es gibt Skype, Twitter oder Facebook mit denen der Kontakt zu anderen weiter aufrecht erhalten werden kann. Doch das Persönliche fehlt, da die meisten hier nur vorübergehend sind. Hat man jemanden kennen gelernt, zieht derjenige vielleicht schon morgen weiter. Man muss also die relative Isolation mögen, sonst wird es schwierig.

Was passiert in vielen Leben zwischen Ende dreißig und Mitte vierzig? Meist taucht in irgendeiner Form der Wunsch nach Familienbildung auf und vielleicht auch ein Kinderwunsch. Umherziehen mit kleinen Kindern ist natürlich möglich, aber meist nur bis zur Schulzeit. Daher bleibt für diese Form der Arbeit eigentlich nur die Zeit vorher. Es ist nicht auszuschließen, dass einige der hier Arbeitenden Kinder haben, ehrlich gesagt halte ich das aber für wenig wahrscheinlich. Bei meinen Streifzügen durch Canggu habe ich in den vergangenen Wochen drei junge Paare mit Kleinkindern gesehen. Das beweist wenig, spricht aber dennoch eine deutliche Sprache.

Eine Frage geht mir hierbei immer wieder durch den Kopf. Weshalb nehmen nicht mehr Menschen in meinem Alter dieses Angebot -arbeite doch wo du willst- an? Die Kinder sind aus dem Haus, die Karriere gefestigt. Es würde gehen. Dass das nicht geschieht, hat auch seine Gründe. Dazu an anderer Stelle mehr.

Wer arbeitet hier? – 3 Monate Bali 5/12

Es ist schwer zu sagen was im Einzelnen die Menschen hier im Coworking Space beruflich treiben. Laut Auskunft der Managerin kommen sie aus allen Berufen. Vorherrschend sind jedoch die Bereiche Marketing, Programmierung, Blogging. Dann das weite Feld der Beratung. Von der Finanzberatung über die IT-Beratung bis zum Coaching scheint alles vertreten. Dann gibt es noch diejenigen, die einen Online-Shop betreiben. Auch sie finden sich hier.

Im Space selbst herrscht eine konzentrierte Form des Arbeitens. Und den offenen Laptop-Bildschirmen nach zu urteilen, zumindestens denen, die ich nach einem Rundgang sehen konnte, ist auf keinem Facebook, Instagram, Twitter oder ähnliches geöffnet. Alle beschäftigen sich mit dem, was sie vor sich auf dem Bildschirm sehen. Von kurzen Gesprächen mit den Nachbarn abgesehen. Es bedarf offensichtlich doch einiger Anstrengung sein Geschäft aufrecht zu erhalten, bzw. die Kunden zufrieden zu stellen.

Für mich stellt sich sofort die Frage der Selbstausbeutung. Die Devise der hier Arbeitenden muss ja sein, produziere ich nichts wofür jemand anderes mir Geld gibt, bin ich über kurz oder lang bankrott. Doch vielleicht ist Selbstausbeutung nicht der richtige Begriff, wenn man Dinge tut, die man gern macht und an Orten, an denen man sich wohlfühlt. Ist das das Modell, warum Google und Co. soviel Wert darauf legen ihren Mitarbeitern wahre Wohlfühloasen in den Firmenzentralen zu bieten? Vielleicht.

Ach ja, bevor ich es vergesse, hier gibt es statt eines Bürohundes eine Bürokatze. Mal was anderes. Vor allem weil Katzen diese Haltung ausstrahlen „Was willst du von mir? Mich streicheln? Mal sehen, vielleicht lasse ich es zu.“ Diese hier ist genauso.

Arbeiten, aber wo? – 3 Monate Bali 4/12

Jedes, gut, fast jedes Hotel, Restaurant, Bar oder Guesthouse hat Internet. Meist mit guter, heißt schneller Verbindung. Daher ist es im Prinzip möglich mit der Arbeit überall zu starten. Voraussetzung ist natürlich, dass sich diese Arbeit per Laptop, Handy und Skype erledigen lässt. Das engt den Kreis derjenigen, die das machen können natürlich erheblich ein. Niemand wird versuchen übers Internet Brötchen zu backen oder medizinische Eingriffe durchzuführen. Doch halt, die Herstellung und der Vertrieb von Brötchen lässt sich über Dienstleister vor Ort natürlich auch von Bali aus organisieren. Ebenfalls macht es Telemedizin möglich, von jedem Ort der Erde aus bei Operationen zu assistieren bzw. zu konsultieren. Das aber ist ein anderes Thema und ein weites Feld.

Doch bevor es losgehen kann, stellt sich die Frage, wo? Das Cafe eignet sich in der Regel nur für ein paar wenige Dinge. Email, WhatsApp etc. Für Arbeiten, die mehr Aufmerksamkeit fordern, ist die Atmosphäre zu unruhig, die Geräuschkulisse zu hoch. Als nächstes dann das Homeoffice, also die Unterkunft. Da kommt es darauf an, wie viele Rückzugsmöglichkeiten sie bietet. Ist es ruhig dort, die Atmosphäre freundlich, dann geht das. Die dritte Möglichkeit zu arbeiten, sind sogenannte Coworking Spaces. Sie bieten alles was das Büro in der Firma auch bietet. Technik, Mobiliar, Versorgung, Essen und Trinken. Im Grunde sind es Großraumbüros, wie sie heutzutage bei vielen Startups zu finden sind. Nur eben, wie hier auf Bali, an schönen Orten. Die Coworking Spaces sind in der Regel und aus vielerlei Gründe die geeignetsten Orte dafür. Doch dazu später mehr.

Es gibt einige hier in Canggu. So heißt der Ort, in dem ich die drei Monate verbringen werde. Da wäre zuvorderst der Platzhirsch Dojo Bali mit vielen Nutzer und gelegentlicher Enge an den Tischen. Weitere sind das Tropical Nomad, Connco Work Hub oder Tribe Theory Bali. Die Entscheidung für das eine oder das andere hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Ich habe mich für das Tropical entschieden. Ja, es ist nett, die Ausstattung der Räume gefällt mir, doch in erster Linie war es die Lage. Das Tropical liegt nahe meiner Unterkunft. Und da der Verkehr in Canggu mörderisch ist, ist jede Minute, die nicht auf der Straße zugebracht werden muss, Gold wert.

So, die Basis ist gelegt. Schauen wir mal wie es weiter geht.

Wo ist die Expatriateabteilung? – 3 Monate Bali 3/12

Bei größeren und vor allem den ganz großen Unternehmen gibt es interne Dienstleister für alles. Sie buchen Flüge, kümmern sich um die Unterkunft, besorgen Wohnungen, mieten Autos, kontaktieren Ärzte, regeln Behördenkram und sorgen dafür, dass der Auslandsaufschlag aufs Gehalt pünktlich kommt. Ich will ja nicht meckern, aber wo sind die jetzt?

Dem Taxifahrer sollte ich schon erklären, wo mein Hotel denn nun genau liegt. Nein, kein Hotel, es ist ein kleines Haus. Ob es dieses hier ist? Nein ist es nicht. Oder doch jenes? Kein Ding, gemeinsam haben wir es hingekriegt.  Da gestaltete sich die Beschaffung von Bargeld schon komplizierter. Es soll an jeder Ecke ATMs geben. In Deutschland besser bekannt unter dem Namen Bargeldautomat. Es gibt genügend hier, sie tarnen sich zwar gelegentlich und sind mitunter so schwer zu erkennen wie Rehe im Wald, aber sei es drum, sie sind da.

Von außen betrachtet wirken sie unscheinbar. Sie haben allerdings ein Eigenleben, das sich erst offenbart, wenn sie die Kreditkarte im Schlund haben. Einige lassen dann alles mit sich machen, wie bewusstlose Kaninchen. Also sollte ich die Geheimnummer eingeben, Betrag  und jede Menge Fragen nach dem Prozedere bestätigen, um ganz am Schluss den Satz auf dem Bildschirm zu lesen : „Tut uns leid, aber der Prozess kann nicht ausgeführt werden“ Einige andere ATMs geben Pfeifgeräusche von sich, als wären sie kochende Wasserkessel oder strecken gleich alle viere von sich. Leise, dunkel und still wie  ein Hochgebirgssee stehen sie vor mir.  Doch wie immer im Leben, am Ende klappt es doch. Der sechste ATM gab Geld raus. Wenig, aber ich will nicht kleinlich sein.

Die ATMs nerven, dennoch eines wird klar. Wer als Digital Nomad durch die Welt zieht, sollte sich keinen Illusionen hingeben. Es warten überall Dinge, die nicht oder nur mau funktionieren. Das kostet Zeit, Nerven und am Ende auch Geld. Aber gut, es fällt auch sofort etwas ab. Mir ist eine neue Geschäftsidee gekommen. Ich gründe das Unternehmen DINEF. DIGITAL NOMAD EXPATRIATE FACTORY Slogan: Mach dein Ding, wir machen den Rest. Ich wäre mein erster Kunde.

Überleben nicht inklusive – 3 Monate Bali 2/12

Die Anreise nach Bali gestaltet sich völlig problemlos. Rein in den Flieger, einmal umgestiegen (Singapur) und das war es dann auch schon. Dauert eigentlich auch nicht viel länger, als am Wochenende durch den Elbtunnel zu fahren. Der Unterschied liegt in dem was danach kommt. Nach dem Elbtunnel kommt meistens… nichts. Ein paar Kühe entlang der Autobahn vielleicht. Nach dem Verlassen des Flughafens auf Bali kommt immer… viel. Viele Menschen, viele Autos und vor allem viele, viele, viele Motorroller, hier auch gern liebevoll, harmlos, Scooter genannt. Als Kind habe ich versehentlich mal ein Wespennest aufgescheucht, war so ein ähnliches Gewusel, nur dass die Scooter hier niemanden stechen. Sie überfahren einen einfach, was ich mir am Ende auch nicht unbedingt angenehmer vorstelle. Tut mir leid, ich will hier jetzt keine schlechte Stimmung verbreiten, aber wer mit seinem Leben Schluss machen will, sollte nicht an Brücken denken oder nachts auf Schiffen über die Reling hoppen, ein beherzter Schritt auf eine der balinesischen Hauptstraßen reicht völlig aus.

Ankunft Flughafen Bali. Um dem Wahnsinn zu entgehen, habe ich mich durch einen gewagten Sprung in eine offene Taxitür gerettet. Was ich dann hörte, klang so verlockend, so sanft wie eine sonntägliche Predigt im Frühstücksradio. „Sir, where do you want to go?“ Ja, was weiß denn ich. Mir völlig egal. Irgendwohin. Hauptsache weg hier. All das sagte ich natürlich nicht, stattdessen zeigte ich sprachlos und so souverän wie es jemandem möglich ist, dessen Leben gerade auf der Kippe stand, auf meinem Handy die Adresse, zu der ich wollte. „Sir, please don`t walk. It is very dangerous.“ Aha, ist mir gar nicht aufgefallen. Ich dachte vielmehr, dass Scooter das probate Mittel gegen zu viele Fußgänger sind. Und sie scheinen außerordentlich erfolgreich damit zu sein. Denn außer mir war weit und breit kein Anderer auf die wahnwitzige Idee verfallen, zu Fuß zu gehen. Aber auch das behielt ich für mich.

Meine erste Lektion auf dem Weg zur Arbeit. Gehe nie, aber auch niemals zu Fuß. Denke gar nicht erst, weshalb denn nicht, es gibt doch Bürgersteige. Was du für Bürgersteige hältst, sind allerhöchstens Parkflächen für Scooter und Autos oder Hundeschlafpätze. Wer sich da aufhält, will entweder seinem Leben ein schnelles Ende bereiten oder aber von lustigen Vierbeinern für Lebendfutter gehalten werden. Doch das ist wieder ein anderes Thema.

Arbeite doch wo du willst – 3 Monate Bali 1/12

Jeden Morgen in dasselbe Gebäude, an denselben Schreibtisch und das meist auch noch zur immer gleichen Zeit, muss so der Arbeitsalltag aussehen? Vielleicht, aber es geht möglicherweise auch anders. Und wie dieses Andere aussieht, will ich die nächsten drei Monate ausprobieren. Dazu habe ich mich aufgemacht nach Bali. Diese Insel ist bekannt dafür Menschen anzuziehen, die im Prinzip überall auf der Welt arbeiten können.  Dank eines Jobs, der sich dafür eignet, und der digitalen Technik, die das ermöglicht.  Okay, dann mal los. Auf ins Getümmel der neuen Arbeitswelt.

Keine Angst vor freien Radikalen

Umbrüche entstehen durch neugierige, mutige Menschen mit einer hohen Respektlosigkeit gegenüber unmöglichen Dingen. Jetzt ist eine gute Zeit sie an Bord zu holen.

Sehen Sie ihn auch? Diesen kleinen, blauen Kobold der durch die Flure Ihrer Klinik rennt. Mit wirren Haaren, irrem Blick und dröhnender Stimme raunt er die immer gleichen Worte: “Geht nicht, will ich nicht, kann ich nicht, kein Geld, kriegen wir nie durch, habe andere Sorgen, das ist mir zuviel, nicht genug Personal, arrogante Ärzte, renitentes Pflegepersonal, stumpfe Verwaltung, inkompetenter Aufsichtsrat. Wird Zeit ein wenig Optimismus reinzubringen, oder?

Okay, fangen wir also an. Erste Lektion. Lassen Sie den Kobold einfach laufen. Denn obwohl er sein Unwesen treibt funktioniert Ihr Unternehmen. Mal etwas besser, mal etwas schlechter. Und auch die Stimmung in der Belegschaft folgt wie die Ertragslage einem wiederkehrendem Auf und Ab. Auch wenn sich die Lage, wie derzeit bei den Personalengpässen zuspitzt, so ist ist sie doch nie von Dauer. Das zu organisieren ist Tagesgeschäft und wenn Sie so wollen unser aller täglich Brot.

Zweite Lektion. Kümmern Sie sich um die Zukunft. Denn was heute gut funktioniert birgt nicht die Garantie auch morgen noch gut zu sein. Sehr viel wahrscheinlicher ist, das morgen ganz andere Spielregeln gelten als heute. Schon jetzt ist klar, wir leben in einer Zeit die unsicher, unbeständig, komplex und mehrdeutig ist. Und angetrieben wird diese Welt durch Digitalisierung. In ihrem Maschinenraum stehen keine Verbrennungsmotoren, sondern Computer. Ihr Treibstoff ist künstliche Intelligenz, nicht Öl. Um diese Welt zu erschließen  brauchen wir Menschen die bereit sind absolutes Neuland zu betreten. Die es nicht nur gewohnt sind in unsicheren, unbeständigen, komplexen und mehrdeutigen Arbeitswelten zu bestehen, sondern diese geradezu suchen. Wir brauchen mutige,neugierige, hungrige, junge Entdecker*innen.

Dritte Lektion. Schaffen Sie Räume. Versuchen Sie gar nicht erst ihren großen Tanker Unternehmen komplett umzukrempeln, Sie werden grandios scheitern. Sinnvoller ist es kleine Satelliten zu etablieren die fernab jeder Klinikroutine, sich und ihre Ideen ausprobieren können. Mit einem Budget zum Experimentieren und der Freiheit Wege zu gehen die kurzfristig mehr Geld kosten als sie einbringen. Die Regel könnte lauten: fail fast – fail cheap was so viel heißt wie scheitere schnell und scheitere billig. Denn nicht jede Idee ist es wert weiterverfolgt zu werden und durch eine solche Regel ist das finanzielle Risiko übersichtlich.

Was halten Sie von einem Satelliten, einer Station/Bereich in dem die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus kommt und die andere junge, digital Erfahrene von Außen sind? In der Chefärzte Teammitglieder sind und nicht mehr Rechte haben als andere. Wo die Pflegekräfte deutlich höher bezahlt werden als jetzt. Prozesse vollständig digitalisiert, Patienten verlässliche Ansprechpartner und alle Mitarbeiter faire und planbare Arbeitszeiten haben um nur einige wenige Punkte zu nennen. Sehr gut denkbar, dass sich für ein solches Modell genügend Mitarbeiter*innen finden die mitmachen wollen. Was meinen Sie?

Das Dilemma des Mittelmanagement

80% Prozent von 12000 befragten Beschäftigten einer Studie wollen flache Hierarchien. Sie möchten zwar die Chefs nicht abschaffen, aber doch so wenig Vorgesetzte zwischen sich und der Geschäftsführung wie nur irgend möglich.

Damit liegen sie im Führungstrend der meisten Unternehmen. Ihr Ziel ist es Prozesse  zu beschleunigen und Entscheidungsstrukturen drastisch zu vereinfachen. Das spart Geld, ist aber nicht der Hauptgrund. Der besteht darin schnell zu sein um besser auf Veränderungen reagieren zu können. So will Daimler seine Entscheidungsstrukturen von derzeit sechs Ebenen auf zwei verkleinern.

Der Weg, um es vereinfacht auszudrücken, besteht darin, oben die Entscheidungen zu fällen, die dann unten umgesetzt werden. Wie ist dann Sache der Beschäftigten. Sollte es jetzt noch ein sogenanntes Mittelmanagement, besteht dessen Rolle meist darin beratend tätig zu sein.  Sie organisieren, kommunizieren, weisen Wege und Möglichkeiten, verzichten, bzw. besitzen kein Weisungsrecht.  Die Führungskraft als Coach der Mitarbeiter.

Für das Mittelmanagement wird der Job dadurch komplizierter. Angesiedelt zwischen oberen Management und den Fachkräften, sitzen sie eingeklemmt wie die Hackfleischscheibe zwischen zwei Brötchenhälften. Mit der Tendenz zwischen ihnen zerrieben zu werden, falls kein klarer und eindeutiger Handlungsspielraum eingeräumt wird. Dieser Gestaltungsraum muss, um wirksam zu sein, hart und darf keinesfalls beliebig sein. Grenzen und Möglichkeiten des Mittelmanagement müssen klar sein, ihre Durchsetzungskraft darf nicht durch Unklarheit in der Verantwortung geschwächt werden. Anderenfalls droht weitestgehende Wirkungslosigkeit den die Führungskräfte im Mittelmanagement Stress und ausbrennen bezahlen werden.

Als Erkenntnis aus dieser Analyse kann gelten, wer ins Mittelmanagement geht, muss darauf achten nicht zum Frühstücksdirektor mit Coachingfunktion zu degenerieren, sondern klare Verantwortungs- und Gestaltungsbereiche bei angemessen hoher Vergütung fordern. Ist das nicht durchsetzbar, Hände weg vom Job im Mittelmanagement.