Für die Arbeit brennen? Lieber nicht.

Gute Arbeit allein reicht nicht, wir sollen brennen für die Aufgabe. Doch ob das den Erfolg fördert, ist nicht ausgemacht. Es gibt gute Gründe daran zu zu zweifeln.

Wir müssen ja nicht gleich lichterloh brennen wie ein Weihnachtsbaum im März, um zu zeigen wie wichtig uns unsere Aufgabe ist. Andererseits ist schwaches Glimmen, wie ein Glühwürmchen in seinen letzten Lebensminuten, auch keine Haltung die zum Erfolg führt. Dennoch, der Sprachgebrauch dem wir ausgesetzt sind, verrät schon einiges. „Okay, Rolf, erzähl uns von deiner passion.“ (In der Startup-Branche auch gern mit englischem Zungenschlag versehen). „Wofür brennst du so richtig?“ Wenn ich das gefragt werde, neige ich dazu, die nächste Brücke aufzusuchen, um mich runter zu stürzen. Doch nicht jeder Arbeitsplatz liegt in der Nähe einer Brücke. Was also antworten?

„Ich brenne nicht, außer man überschüttet mich mit Benzin“ ist vielleicht keine schöne, aber eine ehrliche Antwort. Im Großen und Ganzen bin ich von einigen Teilen des Jobs wirklich begeistert und von anderen extrem genervt. Das hält sich die Wage. Mal überwiegt das eine, mal das andere. Doch meistens sind beide Teile gleichzeitig da. Nicht schlimm oder? Ist halt die Realität des täglichen Wahnsinns. Dennoch lohnt einer genauerer Blick. Was würde oder vorsichtiger formuliert, was könnte denn passieren wenn wir so richtig für etwas „brennen“? Eine kurze Zeit lang sorgt dieser Brand für große Power. Doch wie bei allen starken Feuern muss ständig Holz nachgelegt werden, um den Brand stark zu halten. Doch das geht nur solange genügend Wälder vorhanden sind. Sind sie abgeholzt, ist Schluss mit lustig.

Und dann kommt? Leere. Vielleicht nicht gleich die ganz schlimme Nummer, Burnout, eher tiefe Erschöpfung, einhergehend mit Lustlosigkeit und den Fragen nach dem was das eigentlich alles soll, dieses ewige rennen im Hamsterrad. Da Zeiten der Erholung (So jetzt nimm dir mal eine Auszeit, erhol dich) wenn überhaupt, nur in den Leitlinien guter Führung existieren, im Tagesgeschäft aber so oft anzutreffen sind, wie Einhörner in der U-Bahn, wechselt ein Projekt (Brand) nahtlos mit dem nächsten. Nun ja, kein Grund zu jammern, das ist eben so. Die Sache hat nur einen Hacken. Wer immer lichterloh brennt und stets und ständig am Limit ist, wird in seinen Leistungen schlechter. Nicht von heute auf morgen, sondern kontinuierlich über Wochen und Monate. Bis von der ursprünglichen Leistungsfähigkeit nichts mehr übrig ist. Ende im Gelände. Der Wald ist abgeholzt.

Der Vergleich mit Wald und Umwelt ist gar nicht so weit hergeholt. Hier wie dort geht es um Nachhaltigkeit. Wenn wir an unseren mentalen und körperlichen Ressourcen Raubbau betreiben, sollten wir uns nicht wundern wenn sie versiegen. Und das fängt bei der Sprache an, führt über neue Ansichten zur Veränderung des täglichen Handelns. Beginnen wir also mit der Sprache: Es geht schlicht und einfach darum einen guten Job zu machen und ein gesundes, zufriedenes Leben zu führen, damit unsere Leistungsfähigkeit für Jahrzehnte reicht. Brennen hat da nichts verloren, denn es ist zerstörerisch und schadet am Ende allen. So einfach ist das.

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