Bewerbung. Künftig ohne Anschreiben?

Nichts weniger als perfekt sollte es, das Anschreiben bei der Bewerbung um einen Job. Mal eben ein paar durchaus gerade Sätze schreiben, ist Vielen zufolge die absolute Bankrotterklärung. Da könne man ja gleich schreiben, dass man den Job eigentlich gar nicht wolle. Das wäre ja so, als würde jemand im Pyjama zum Empfang des Bundespräsidenten gehen. DAS GEHT GAR NICHT! Das Anschreiben ist das Loui Vuitton Kleid der ganzen Bewerbung. Nichts mehr, nichts weniger.

Die Bahn ist ja nun nicht unbedingt das agilste Unternehmen im Universum, aber dennoch, sie wagen sich vor. Seit einiger Zeit verzichten sie bei Bewerbungen von Azubis und Studenten auf das Anschreiben. Und haben Erfolg. Die Zahl der Bewerbungen klettert deutlich. 10% Steigerung zum Vorjahr ist eine Hausnummer. Ist das wirklich verwunderlich? Nein, denn für jeden von uns, außer vielleicht denen zu deren täglich Brot es zählt gut zu schreiben und zu formulieren, sind diese Anschreiben der Horror. Wir müssen uns etwas aus den Fingern saugen, von dem wir glauben das es den Personalern gefällt. Mühsam. Nicht umsonst greifen manche dann auf Vorlagen aus dem Netz zurück. Hier eine kleine Veränderung, dort eine andere Note, fertig ist das Anschreiben.

Durch den Verzicht machen wir es allen leichter. Die Personaler müssen sich nicht durch Berge uniformer, nicht selten langweiliger und bisweilen äußerst nerviger Anschreiben graben, sondern können gleich zu den Fakten kommen. Und die Bewerber*innen können einfach mit dem glänzen was sie können und beherrschen. Der Versandhändler Otto will statt des Anschreibens lediglich zwei Fragen zur Motivation beantwortet haben. Das reicht, denn die wirklich wichtigen Dinge sind ohnehin besser im persönlichen Gespräch zu klären. Warum kompliziert, wenn es auch einfach geht?

Bleibt nur noch zu klären, ob sich dieser Verzicht durchsetzt. Ich bin mir sehr sicher, denn das Verfahren wird von zwei Seiten in Frage gestellt. Vom Unternehmen (weniger Arbeit) und von den Bewerber*innen (weniger Arbeit). Das sind zwei sehr starke Kräfte. Doch es gibt natürlich auch Widersacher*innen. Verlangsamen werden es die, denen das – haben wir schon immer so gemacht – zur zweiten Natur geworden ist und denen die das Anschreiben zum literarischen Wettlauf hochziehen. Doch sie werden die Entwicklung nicht aufhalten, vielleicht verlangsamen. Es spricht zuviel gegen das Anschreiben. Lassen wir es einfach in Würde sterben.

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