Alles hat seinen Preis

Für viele ist es eine ausgemachte Sache, die Digitalisierung wird uns auffressen und zerstören was uns lieb und teuer ist. Der Geist ist endgültig aus der Flasche und nichts und niemand bringt ihn dahin zurück. Gleichgültig was wir davon halten, das ist die Realität. Die Frage ist nicht ob wir es wollen, sondern ob wir bereit sind den Preis dafür zu zahlen.

Wir lieben unser Smartphone und alles was sich damit machen läßt. Was machen die Freunde gerade auf Facebook, welcher Film läuft heute im UFA Palast und ist jetzt endlich die neue Serie auf Netflix angelaufen? Oh, warte kurz, ich muß schnell schauen, ob Caro was auf Instagram gepostet hat. Wann ging gleich die Bahn? Egal, ich nehme Uber, ist ohnehin schneller und auch noch billiger. Das Smartphone aus der Hand zu legen, es gar nicht bei sich zu haben, es wäre so als würde ein Herzkranker die lebenssichernden Medikamente nicht nehmen. Und das hat bekanntlich seinen Preis.

Dem Herzkranken droht der leibhaftige Tod, denjenigen die ihr Handy weglegen der soziale. Und es ist nicht ganz klar was am Ende schlimmer ist. Denn wer will schon abgeschnitten sein von all dem Facebook, Instagram, Twitter und dem vielen schönen anderen? Da könnten wir ja gleich auf den Mond ziehen und dort eine preiswerte Mansarde mieten. Doch es gibt natürlich auch die kritischen Geister, die vor dem warnen was das Digitale alles mit uns anstellt. Dabei sind es keine Wurzelzwerge, mit selbstgestrickter Kleidung hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen leben, sondern oft die die diese schönen Geräte und ihre Inhalte produzieren. Die Frauen und Männer von Google und Co., die ihre Kinder auf Waldorfschulen schicken und davor warnen ihnen nicht zu früh die Dinge in die Hand zu geben, die ihre Eltern erfunden haben.

Was also tun mit Handy und allem was damit zusammen hängt? Gar nicht nutzen scheint ebensowenig eine Lösung, wie sich dem ganzen hemmungslos hinzugeben. Der Mittelweg könnte Digital Detox sein. Eine Art digitaler Entgiftung. Ähnlich einem Junkie der auf die Droge verzichtet, wird das Handy für eine bestimmte Zeit ausgeschaltet. Je nach Schwere der Abhängigkeit für ein paar Minuten (Heavy User) bis zu mehreren Tagen (Light User). Damit sollen wieder die Vorzüge eines abstinenten, drogenfreien Digitalleben spürbar und erlebbar gemacht werden. Einige finden das ganz toll. Sie haben es geschafft ihr Handy einen ganzen Tag auszuschalten. Und sind stolz auf sich. Ich kann das verstehen. Dennoch scheint mir, dass dem eigentlichen Konflikt damit aus dem Weg gegangen wird.

Wenn ich mein Handy ausschalte hat das einen Preis. Den muss ich bereit sein zu zahlen. Ohne wenn und aber. Ich krige dann nicht mehr stündlich mit was die Welt, meine Freunde, die Familie oder wer sonst auch immer so treibt. Ich bin uniformiert. Je länger das Handy aus ist, desto stärker. Wenn ich das nicht will, dann bleibt nur das Handy an zu lassen. Dann darf ich aber nicht darüber jammern, dass mich das Handy auffrißt und ich den ganzen Kram eigentlich gar nicht will. Den Versuch die eigenen Verantwortung für das Tun und Handeln dem Medium oder dem Gerät auszuhalsen ist zwar verständlich, aber eine Flucht. Niemand außer uns trägt die Verantwortung für das was wir tun. Niemand hat uns eine Pistole vorgehalten damit wir das das Handy stets und ständig nutzen und uns im Fall einer Zuwiderhandlung mit Erschießen gedroht.

Das gilt übrigens nicht nur für das soziale digitale sondern für das berufliche Leben. Wer jemals versucht hat nicht ständig ins Emailpostfach zu sehen und sich dem Zwang zur sofortigen Reaktion zu entziehen, weiß welche Konsequenzen das haben kann und meist auch wird. Ermahnungen bitte sich zu melden, leise bis recht laute Kritik wo man denn sei, oder ob man einen Autounfall habe sind nur einige Reaktionen. Doch seine wir ehrlich, welche Email muss schon innerhalb eines Tages beantwortet werden? Wer stirbt daran oder welches Unternehmen geht in Konkurs wenn eine Antwort länger braucht? Doch wie immer hat ein solches Verhalten seinen Preis. Und der kann durchaus hoch sein. Zum Beispiel bei der nächsten Beförderung nicht dabei zu sein. Es hat eben alles immer seinen Preis. Aber wir haben auch immer die Wahl. Wir sollten uns also entscheiden und bereit sein den jeweiligen Preis zu bezahlen. Meinetwegen auch unter Murren. Aber lasten wir es nicht irgendwelchen Geräten oder Techniken auf. Die Lösung liegt bei uns. Wie so oft.