Auf die Ohren

Noch sind sie Kennzeichen der smarten Startup Szene, doch bald werden sie auch die Büros der traditionellen Unternehmen erobern. Die Rede ist von Kopfhörern. Dabei ist die entscheidende Frage nicht ob wir das Tragen während der Arbeitszeit erlauben, sondern welche Vorteile das hat.

In Bahn, Bus oder Flieger haben wir alle schon die Vorteile von Kopfhöhrern schätzen gelernt. Sie schotten uns vom Gerede und Lärm unserer Umwelt ab. Wir müssen nicht mehr ungefragt mitanhören was Tante Erna auf dem Geburtstag getan, der Sohn mal wieder nicht getan und Kollege*in Ovenstolz schon wieder verbockt hat. Stattdessen hören wir unsere Lieblingsmusik, ein spannendes Hörbuch oder den neuesten Spiegel Podcast. Die meisten von uns mögen das.

Diese Akzeptanz hört jedoch schlagartig auf, wenn es darum geht, während der Arbeitszeit so etwas zu erlauben oder gar zu fördern. „Wo kämen wir den da hin, wenn hier jeder Musik hören wollte, statt zu arbeiten“. Ja, wo kämen wir denn hin? Vielleicht zu einer konzentrierten Form des Arbeitens? Zu mehr Zufriedenheit?

Machen wir uns nichts vor, es wird über kurz oder lang völlig normal sein, dass Mitarbeiter*innen in Büros die keinen oder nur sehr sporadischen Kundenkontakt haben, Kopfhörer tragen werden. Schon allein deshalb weil es für die heutige Generation gang und gäbe ist und sie darauf auch während der Arbeit nicht verzichten wollen und werden. Statt es zu verteufeln oder zu behandeln wie in den Anfängen des Internets (nur Führungskräfte hatten Zugang oder konnten eMails empfangen, etc) sollten wir es aktiv forcieren.

In Büros mit mehreren Arbeitsplätzen und das ist zunehmend die Regel, herrscht ein konstanter Lärmpegel. Konzentriertes Arbeiten ist nur noch bedingt möglich. Kopfhörer ermöglichen, wie in Bus oder Bahn auch, sich davon abzukoppeln. Mitarbeiter*innen können sich so voll und ganz auf ihre Aufgabe konzentrieren. Ob dies mit Musik oder ohne geschieht, bleibt der Vorliebe der Einzelnen überlassen. Ebenso wie die Auswahl der Kopfhöhrer. Ob groß und fett auf dem Kopf oder klein und unauffällig im Ohr versteckt. Was zählt ist was gefällt.

Der Einwand, damit sind Mitarbeiter*innen nicht mehr ansprechbar, sollte kritisch betrachtet werden. Denn genau genommen ist die permanente Ansprechbarkeit kein wünschenswerter Zustand. Er entstammt dem altem Denken, stets und dauernd für alle und alles verfügbar zu sein. In Zeiten von Einzelbüros, mit nur einem Telefon und einer Tür war das vertretbar, in Zeiten von Multichannel Kommunikation in Großraumbüros, ist das jedoch ein Anachronismus der aufgegeben werde sollte. Wir werden bombadiert und herausgefordert von einer Vielzahl an Störungen. Ein Kopfhörer bietet hier Abhilfe und erlaubt schnell und einfach die Nutzung musikalischer Escaperäume.

Hinzu kommt, und das darf keinesfalls übersehen werden, gezielt und punktuell in eine selbst gewählte, angenehme Atmosphäre zu entschwinden, kommt nicht nur dem Output (bessere Arbeitsleistung) zugute, sondern erhöht auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter*innen. Sie können sich so eine angenehme Atmosphäre mit ihrer Lieblingsmusik schaffen. Daher empfehle ich das Tragen von Kopfhörern ausdrücklich zu erlauben und als willkommene Arbeitshilfe zu begrüßen.