Rolf Schröder ist Gründer und Inhaber von rs|u. Als Organisationsberater und Führungskräfte-Coach verfolgt er vorrangig systemische Ansätze des Lernens und des Change Managements – auf Organisations- und Managementebene ebenso wie für einzelne Klienten.
Ok Fußmatte, wo ist das Problem?
Vor mehr als zwei Jahrzehnten hatte ich meine erste Begegnung mit Frank Farrelly, dem Begründer der provokativen Therapie. Der Einstieg war rasant und prägend für meine gesamte berufliche Entwicklung. Während eines Seminars mit ihm bearbeiteten wir eines meiner beruflichen Probleme. Die folgende Szene beschreibt wie das geschah.
Frank Farrelly (FF): Ok, wie ist dein Name?
Rolf Schröder (RS): RolfFF: Wunderbar, du scheinst mir ein schlauer Kerl zu sein, du weißt eine ganze Menge.
FF: Ok Rolf, jetzt kenne ich dich schon ganz gut, was ist dein Problem?
RS: Ich habe ständig Ärger mit meinem Vorgesetzten. Er behandelt mich unfair.
Es folgte ein längerer Dialog der am Ende in der Aussage von Frank Farrelly gipfelte:
FF: Okay Rolf, ich habe dein Problem verstanden. Die Lösung ist ganz einfach. Akzeptiere, dass dein Lebensweg darin besteht, eine Fußmatte zu sein. Das ist dein Karma. Daher bringt es nichts, dich dagegen aufzulehnen. Alle treten sich auf dir die Füße ab und das ist auch gut so. Denn dein Job als Fußmatte ist es, den Leuten zu Diensten zu sein, wenn sie ihre Schuhe abstreifen wollen. Und komm gar nicht erst auf den Gedanken, dagegen zu protestieren. Mir wäre es nämlich auch sehr unangenehm, wenn eine Fußmatte zu mir sagt (FF steht auf, hält sich einen Arm schützend über den Kopf und spricht mit weinerlicher Stimme): “Ich will das nicht, das ist nicht fair, das habe ich nicht verdient.”
Es gelang mir in den Wochen nach der Arbeit mit Frank Farrelly die Haltung zu meinen Chef zu ändern und die Entscheidung zu treffen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Farrelly`s Einfluss hat mich tief geprägt und hat dazu beigetragen, dass ich seit dieser Zeit ein begeisterter Anhänger des provokativen Vorgehens bin.
Was ist provokatives Vorgehen?
Natürlich ist nichts so beeindruckend wie die eigene Erfahrung. Dennoch ist es wichtig, vor dem Schritt in ein provokatives Vorgehen zu erfahren, was es ist, wie es geht (siehe oben), was benötigt wird und in welchen Bereichen es Anwendung findet.
Provokatives Vorgehen basiert auf dem von Frank Farrelly entwickelten Modell der provokativen Therapie. Mit Humor und Provokation werden Denk- und Verhaltensblockaden persifliert, so dass der Mensch über sein Verhalten lachen und größere mentale Freiheiten erlangen und in deren Folge er neue, angemessenere Verhaltensweisen entwickeln und nutzen kann.
Frechheit siegt oder was wird benötigt?
Na ja, nicht immer, aber unbestritten ist Frechheit ein sehr starkes Mittel, um Veränderungen zu bewirken. Damit sie allerdings nicht zur Gemeinheit oder noch schlimmer, zur Verachtung führt, sind drei Voraussetzungen auf Seiten des Anwenders unabdingbar:
Empathie. Nur wer keinen Ärger, weder auf sich noch sein Gegenüber hat, kann die nötige Herzenswärme mitbringen, die für provokatives Vorgehen zwingend ist.
Humor. Ohne Lachen ist es kein provokatives Vorgehen, sondern bestenfalls nutzlos und schlimmstenfalls verachtend.
Fachkenntnis. Niemand sollte es ohne Ausbildung anwenden. Das gilt sowohl für die professionelle Beherrschung der Prozessorientierung, als auch für die Kenntnis psychotherapeutischer Verfahren.
Mit den herzlichsten Grüßen
Ihr Rolf Schröder
