Lassen Sie uns über mächtige Menschen in unserer Umgebung nachdenken. Damit meine ich Menschen denen wir nicht mal eben die Meinung geigen können, ohne aus dem Orchester ausgeschlossen und in die Teeküche versetzt zu werden. Es sind in der Regel Menschen die uns aus unterschiedlichen Gründen ihren Willen aufzwingen und starken Einfluss auf unser Verhalten und Denken nehmen können. Vorgesetzte gehören dazu. Und nun stellen Sie sich einmal vor, die mögen Sie nicht. Aus Gründen die Sie nicht kennen und nachvollziehen können, haben die Sie auf dem Kieker. Machen Ihnen das Leben schwer. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Sie sich fragen:

Wie kann ich das ändern?

Das offene Gespräch suchen? Die Dinge klären? Sehr gut. Haben Sie es gemacht? Hat sich die Zusammenarbeit normalisiert? Nein? Seien Sie ehrlich, schon während des ersten Versuches wussten Sie , dass es nicht klappen wird. Es handelt sich um keine atmosphärische Störung oder um ein Problem aus dem Bereich der gestörten Gefühle oder des Bauches. Okay, dass sich manche Menschen partout nicht riechen können, das wird es geben, doch in der weitaus überwiegenden Zahl sind die Gründe für ein solches Verhalten einfacher und schlichter als geglaubt. SIE STEHEN IM WEG. Sie sollen weg gehen, zur Seite treten, machen was von ihnen verlangt wird. Da Sie das nicht tun, nerven Sie. Und dafür kriegen Sie was auf die Mütze. Keine große Erkenntnis, aber eine mit weitreichenden Folgen.

Der normale Impuls der darauf meist folgt ist Wut. „So kann man doch mit mir nicht umgehen. Das habe ich nicht verdient“ werden Sie sagen. Nun, Sie werden diese Menschen natürlich nicht anschreien oder ihnen Kaffeekannen, Kilo schwere Geschäftsberichte oder tote Nager an den Kopf werfen. Dennoch werden Sie Ihren Unmut, verdeckt aber deutlich, zum Ausdruck bringen. Werden kurzsilbig, meiden den Kontakt drücken Telefonanrufe weg. Gelegentlich Dienst nach Vorschrift komplettiert Ihre Haltung gepaart mit der unmissverständlichen Aussage: „Die können mich alle mal am A… lecken“. Und Sie beginnen die Anrufe der Headhunter nicht gleich abzuwürgen. Am Wochenende lesen Sie ausführlicher als sonst den Stellenteil der einschlägigen Zeitungen und Online Seiten. Obwohl Sie Ihre Arbeit mögen, sich eigentlich wohl fühlen in der Firma und mit den Kollegen, wollen Sie weg.

Vielleicht ist das der beste Weg. Vielleicht aber auch nicht. Menschen, die Ihnen auf so eine Art und Weise das Leben schwer machen, gibt es überall. Die Gefahr, dass im nächsten Unternehmen bereits wieder eines dieser Exemplare auf Sie wartet ist groß. Sie sollten daher noch kurz ein paar Gedanken auf die folgende Frage verwenden bevor Sie das Handtuch werfen:

Was ist der wahre Grund?

Wenn es immer so einfach wäre wie bei dem berühmten Parkplatzspiel, wäre das Leben einfach. Doch das Vorgehen an die wahren Gründe zu gelangen ist gleich. Die Leitfrage lautet:

„Was wird von mir erwartet?“

Auf vielen Firmenparkplätzen gibt es feste Stellplätze. Obwohl nicht gekennzeichnet, weiß jeder außer Ihnen, dass es nicht von Vorteil ist, rechts neben dem Eingang zum Unternehmen zu parken. Auch wenn der Platz frei ist. Dieser Platz gehört Dr. E. Da Dr. E. ein Manager moderner Prägung ist, verbietet es sich nahezu von selbst, dass er Ihnen klar macht was Sache ist. Moderne Manager sagen nicht: „Hör mal zu mein Lieber, auch wenn du das nicht begreifst, dass da ist mein Parkplatz. Und wenn du das nicht raffst, dann findest du dich schneller in der Teeküche wieder als ein Wiesel am Hals der Hühner ist.“ Nein, ein moderner Manager sagt so etwas nicht. Stattdessen vertraut er auf die Selbstoptimierungskräfte der Anderen, auf den Wert des lebenslangen Lernens. Und wenn das nicht vorhanden ist, ja dann, dann muss man die anderen eben mit geeigneten Mitteln dahin lenken.

Hinter jedem Verhalten steckt immer ein (Parkplatz) ein bestimmter, meist simpler Grund. Bei Machtspielen ist dieser Grund immer versteckt und gut geschützt. Ihn gilt es zu finden um Machtspiele zu verändern, zu neutralisieren oder schlicht zu gewinnen. Ich rate Ihnen daher sich mit den drei Buchstaben „R“ „A“ und „S“ intensiv zu befassen. „R“ steht für Recherche. Sammeln Sie alle Informationen die Sie über Ihrem Gegner bekommen können. Je mehr Sie über sie oder ihn wissen, desto besser können Sie agieren. „A“ steht für Analyse. Finden Sie vielversprechende Punkte an denen Sie ansetzen können um den Konflikt zu Ihrem Vorteil wenden zu können. „S“ steht für Strategie. Legen Sie sich einen Plan zurecht wie Sie zum Ziel kommen wollen. Ziel ist immer, die Machtverhältnisse zu Ihren Gunsten zu wenden.

Meiner Erfahrung nach wird Punkt eins, der Recherche zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Die meisten Menschen die von Machtspielen betroffen sind, folgen zu schnell den vordergründigen Verhaltensweisen und ihren eigenen Gefühlen die ihnen schnelles Handeln raten. Doch wie fast immer, ist schnelles Handeln in Machtkämpfen zwingend mit dem Verlieren derselben verbunden. Wer standhalten will, muss lernen ruhig zu bleiben und gründliche Nachforschungen anzustellen. Bis die abgeschlossen sind gilt das Colombo-Spiel, benannt nach dem gleichnamigen Inspektor der Krimiserie aus den 1970er. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihre Gegner sicher fühlen, stellen Sie die richtigen Fragen und stapeln Sie tief. Doch das ist eine andere Geschichte.