Machtspiele haben einen miserablen Ruf. Wer sie spielt oder gar zu ihnen bekennt, gilt schnell als schlechter Mensch. Das ist in erster Linie auf die destruktivste Form aller Spiele zurück zu führen – die bösartigen Intrigen. Wie sie sehr anschaulich in der Serie „House of Cards“ zu sehen sind. Wer ihnen zum Opfer fällt, muss nicht selten mit massiven Schäden geistiger und körperlicher Gesundheit rechnen.

Doch in der Summe aller Machtspiele sind hinterhältige Intrigen weitaus seltener anzutreffen als vermutet. Viel öfter kommen die alltäglichen, mehr oder weniger kleinen bzw. großen Machtspiele  vor. Jedoch können die Grenzen durchaus fließend sein. Eine kleines, harmloses Machtgeplänkel kann, unter Umständen, zu einem erbarmungslosen Kampf ausarten. Mit äußerst negativen Auswirkungen für alle daran Beteiligten.

Wer der Meinung ist, niemals an Machtspielen teilzunehmen zu wollen, hat zwar die Moral auf seiner Seite, nicht jedoch die Realität. Wo Macht ist, sind auch die Spiele nicht weit. Denn sie sind das Mittel der Wahl, um Macht sicher zu stellen. Auch wenn die meisten Menschen den unbedingten Anspruch auf Macht nicht mit sich in Verbindung  gebracht sehen möchten, wollen sie doch nicht auf sie verzichten. Denn Macht verschafft Einfluss, verspricht das Gefühl wirksam zu sein und die Möglichkeit, eigene Ansichten und Ziele durchzusetzen. Und wer möchte das nicht?

Machtspiele und ihre Anwendung beginnt nicht erst auf den Chefetagen, den vermeintlich einzigen Spielfeldern für Machtspiele, sondern bereits in der Kindheit.

Eltern: „Wenn du jetzt nicht dein Zimmer aufräumst, darfst du eine Woche nicht ins Internet.“
Kind: „Das ist gemein. Das ist Erpressung.“

Das Kind räumt dennoch mehr oder weniger ordentlich auf, ist aber schon auf der Suche nach Vergeltung.

Einige Zeit später:

Eltern: „Hast du heute schon deine Hausaufgaben gemacht?“
Kind: „Nein, ich sollte ja aufräumen.“

Im beruflichen Zusammenhang vergeht kein Tag, an dem wir nicht dem einen oder anderen Machtspiel begegnen. Gleichgültig auf welcher Hierarchieebene. Mitarbeiter spielen ebenso gekonnt wie Chefs auf dem Spielfeld der Macht. Mal fein und kaum sichtbar, mal grob und durchschaubar. Dahinter steckt nicht immer nur Boshaftigkeit, jedoch stets der Wunsch, sich durchzusetzen und Einfluss auf das eigene Umfeld zu nehmen.

Sie sind anderer Meinung? Wollen mit den Mitteln der Machtspiele keinen Einfluss nehmen. Sie lehnen das grundsätzlich ab. Wollen stattdessen mit Sachargumenten überzeugen. Sie sind der Meinung, die bessere, nämlich Ihre Lösung wird sich durchsetzen, weil sie für sich selbst spricht. Nur zu, wenn es gelingt, gut. Doch es bedarf keiner großen hellseherischen Fähigkeiten um zu prognostizieren, dass Sie damit auf die Nase fallen werden.

Sie haben gegen Menschen, die gekonnt Machtspiele zu spielen verstehen, nicht den Hauch einer Chance. Sie werden verlieren. Ihre Gegner sind Ihnen überlegen, weil sie es zum Beispiel sehr gut verstehen andere für ihre Ziele einzunehmen. Sie schaffen günstige Stimmungen für sich selbst und sorgen für Allianzen, die über mehr Gewicht verfügen, als Sie allein jemals aufbringen werden. Ihre spielerfahrenen Gegner lassen Sie, wie Toreros die Stiere, immer wieder ins rote Tuch rennen, bis Sie vor Erschöpfung nicht mehr stehen können.

Wenn Sie Ihren Einfluss also nicht verlieren, ihre Ziele nicht aufgeben und sich weiterhin behaupten wollen, bleiben Ihnen nur zwei Wege. Sie spielen mit und das möglichst gut oder Sie bleiben ohne Einfluss und könnten dann eigentlich gleich kündigen. Wenn Sie das nicht wollen, müssen Sie Spielregeln, Taktiken und Züge aus dem FF beherrschen. Sie sind Grundlage und Basis für den Einstieg in die Welt der darauf folgenden „ausgeklügelten Profi-Spielzüge“.

Anders als auf der Einstiegsebene existieren auf den Profi-Ebenen der Machtspiele keine universell gültigen Regeln mehr. Hier variieren von Unternehmen zu Unternehmen, von Abteilung zu Abteilung und sogar von Mensch zu Mensch Taktiken und Vorgehensweisen. Darüber hinaus gelten auf den Chefetagen andere Regeln, als auf den Mitarbeiterebenen. Auch die Form des Machtspiels bestimmt die Regeln mit. Sind Sie beispielsweise von einer bösartigen Intrige bedroht, gelten andere Regeln, als wenn Sie in ein harmloses Geplänkel verwickelt sind.

Wenn Sie in Machtspielen bestehen, Ihre Fähigkeiten sich zu behaupten, verbessern oder geeignete Durchsetzungsstrategien entwickeln wollen, dann stehen wir Ihnen gern mit Rat und Tat zur Seite. Doch erwarten Sie nicht, dass wir uns von Machtspielen distanzieren. Wir halten die Fähigkeit, sie nach allen Regeln der Kunst zu beherrschen, für notwendig um die eigenen Interessen zu sichern.

Besonders gilt das für die höheren Managementebenen. Hier tummeln sich aus meiner Erfahrung die besten Spielerinnen und Spieler mit den ausgefeiltesten Strategien und durchdachtesten Spielzügen. Auf diesen Ebenen werden die elegantesten, aber auch gefährlichsten Varianten gespielt. Wer sich dort erfolgreich behaupten will, wird nicht umhin können eine excellente Spielerin bzw. Spieler zu werden.