Wichtiger als Geld ist den meisten Menschen selbstbestimmtes Arbeiten, ohne großartige Regeln und Einschränkungen. Doch soviel Freiraum im Job öffnet, laut Wissenschaft, die Tür zur Unehrlichkeit. Ist also Kontrolle doch notwendig?

Arbeiten wann, wo und wie lange wir wollen. Ob im Cafe oder im Büroturm, ob auf Bali oder in Bochum, Hauptsache die Aufgabe wird erledigt. So oder ähnlich sieht die Arbeitswelt einiger jetzt schon aus und es werden sicher mehr werden, deren Alltag keine nennenswerten Einschränkungen mehr aufweist. Womit wir gleich bei der alles entscheidenden Frage sind: „Arbeiten die Leute wirklich oder liegen sie nicht eher faul in der Ecke rum und werden dafür auch noch bezahlt?

Wissenschaftler aus Israel und den USA sind dieser Frage nachgegangen. Sie fanden heraus, dass selbstbestimmtes Arbeiten unehrliches Verhalten begünstigt. So neigten die Versuchspersonen in der Feldstudie dazu die eigene Arbeitszeit höher anzugeben als tatsächlich und mehr private Telefonate zu führen als angegeben. Diese Verhalten war unabhängig von Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Führungsfunktion oder Größe des Unternehmens. Auch die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz spielte keine nennenswerte Rolle. Lediglich MitarbeiterInnen mit einem hohen Bedürfnis nach selbstbestimmter Arbeit zeigen dieses Verhalten nicht. Sie neigten deutlich weniger als die Vergleichsgruppe, zu unehrlichem Verhalten.

Aus dem Ergebnis lässt sich unschwer ableiten, dass es sich für Unternehmen lohnt, Menschen einzustellen, die schon im Bewerbungsverfahren selbstbestimmten Arbeiten eine hohe Priorität einräumen. Wer hingegen viele Freiräume vorfindet ohne explizit darauf zu bestehen, könnte diese neue Freiheit ausnutzen.

Das Ergebnis will ich gar nicht infrage stellen, dennoch, es führt kein Weg daran vorbei MitarbeiterInnen und Führungskräften viel, viel mehr Freiräume und Gestaltungsfreiheiten einzuräumen, als bisher. Nur so entfalten sie ihr gesamtes Potenzial und weichen ab von der „Sag mir was ich tun soll, und ich tue es“ Haltung. Und zu diesen Freiräumen gehören eben auch private Telefonate, zwischendurch das checken der sozialen Medien oder auch die Besprechung mit einem Kunden im Cafe, wo das angebracht und dem geschäftlichen Zweck förderlich ist. Dazu gehört auch eine Kultur in der das Lügen nicht mehr notwendig ist, weil niemand danach fragt was man/frau so den ganzen Tag arbeitet. Es geht um das Ergebnis, dass mit dieser Form der Arbeit erreicht wird und nicht um den Weg der dorthin führt. Mitarbeiter die das als Freibrief zum Faul sein missverstehen, sind, wie wir längst wissen, die absolute Minderheit und sollten entlassen werden.

Es wäre fatal wenn wir die paar Hanseln, die die Freiheit missbrauchen, dadurch einfangen, dass wir der gesamten Mannschaft die Selbstbestimmung nehmen. Freiheit ist ein zentraler Schlüssel, die Dinge besser zu machen.