Mit anderen reden ist immer eine gute Sache, die Königsdisziplin jedoch ist das Selbstgespräch. Nichts ist so erhellend wie sich selbst zuzuhören. Jedoch nicht überall.

Wenn ich jetzt behaupten würde das Selbstgespräche viele, sogar wissenschaftlich belegte Vorteile haben, würde es nichts an deren schlechter Reputation ändern. Wer mit sich selbst redet ist in den Augen anderer irgendwie komisch, schräg drauf oder leicht gestört. Das ist nach wie vor so, auch wenn es anders sein sollte. Daher die gute Nachricht vorweg, das ist eine Herausforderung, da müssen wir durch.

Wer die Vorteile der Selbstgespräche genießen will, muss die Nachteile in Kauf nehmen. Abzuraten ist jedoch von ausgiebigen Selbstgesprächen auf dem Büroflur. Außer dem Angebot eines fürsorgenden Kollegen „Ich kenne da einen guten Psychologen, bei dem war ich selbst schon, fähiger Mann, verschreibt auch Medikamente“ werden Sie nichts weiter ernten. Ebenfalls abzuraten ist von der Mittagspause mit einer Tüte Pommes in der Hand. Zu sehr könnte der Eindruck entstehen Sie sprechen mit den Pommes und hielten die Tüte für ein Mikro.

Wenn Sie jedoch allein und von anderen unbeobachtet sind, sieht die Sache schon ganz anders aus. Dann kann das Selbstgespräch seine unschätzbaren Vorteile voll ausspielen. Mit ihm lassen sich alle Formen von Szenarien durchspielen, bevorstehende wie vergangene gleichermaßen. Wie etwa ein Gespräch verlaufen ist, was man gesagt, gedacht oder geantwortet hat. Diese Form der Selbstgespräche nennt Thomas Brinthaupt „Soziale Einschätzung“.  Seiner Ansicht nach können wir dadurch Kritik an uns selbst richten oder uns Anweisungen geben was wir sagen und tun, oder lieber lassen sollten.

Brinthaupt hat eine Studie veröffentlicht in der er einige Szenarien beschreibt, in denen Selbstgespräche positiv wirken. So hilft das gebetsmühlenartige runterbeten von bestimmten Fakten oder Formulierungen sie sich besser einzuprägen. Lösungen  lassen sich besser finden, wenn wir uns Fragen stellen und die dann beantworten. Ähnliches gilt bei Entscheidungen. Auch hier werden im Selbstgespräch Pros und Contras einer Entscheidung gegenüber gestellt und abgewogen. Ganz besonders hilfreich sind Selbstgespräche wenn es um Wut oder Enttäuschungen geht. Hier wirken Selbstgespräche als Ventil und sind ein wertvoller Aspekt der Psychohygiene.

Mit der Bohrmaschine kurz mal zwei Löcher bohren um den Badezimmerspiegel aufzuhängen ist die eine Sache. Dabei festzustellen, dass in der Wand Stromleitungen verborgen sind und diese wenig erfreut reagieren wenn sie mit Bohrern in Berührung kommen, eine völlig andere.  Mein Selbstgespräch war bis zu den Nachbarn zu hören. „Verdammte Idioten. Welcher verblödete Elektriker hat genau hier Leitungen verlegt? Hat den hier keiner mit gedacht? Und wozu mein lieber Schröder hast du ein Leitungssuchgerät gekauft? Damit lassen sich Stromleitungen finden. Man muss es aber auch benutzen, alter Möchtegernhandwerker.“ Wie Sie sehen können, duze ich mich. Nur in heiklen Fragen gehe ich zum sie über. Das schafft die nötige Distanz. Das wußte schon Heinz Erhard.

Ach ja, wenn Ihnen das alles hier bekannt vorkommt, kein Wunder. Wir haben es als Kinder gelernt. Für Zweijährige ist es ein normaler Entwicklungsschritt mit sich selbst zu reden. Jedes zweite Kind im Alter von drei bis fünf Jahren reflektiert im Dialog die Erlebnisse des Tages vor dem Schlafengehen, so der Psychologe Adam Winsler in einer Studie