Mindestens einmal im Monat erscheint eine Studie die belegt wie unwohl sich die meisten von uns in ihrem Job fühlen. Erstaunlich nur wie wenige am Ende ernst machen und kündigen. Weshalb ist das so?

Die Meinungsforscher von Gallup haben wieder einmal bei den Beschäftigten nachgefragt und erfahren, dass 70% mit ihrem Job mehr oder weniger unzufrieden sind. Von denen, sagt Gallup, ist jede*r fünfte auf die dunkle Seite gewechselt, hat innerlich gekündigt. Allerdings setzen nur 3,4% der Beschäftigten den Frust in Handlung um und wechseln den Job.  So das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Was ist da los?

Irgendwie wollen die Zahlen nicht zusammen passen. 70% Unzufriedene, jede*r fünfte innerlich weg, aber nur 3,4% setzen es in die Tat um. Vielleicht hilft ein Blick hinter den Vorhang des schönen Scheins und Seins der Arbeitswelt. Dort findet man einige Antworten warum sie doch zusammen passen.

  • Meine Arbeit besteht zu einem großen Teil aus wiederkehrender Routine bis hin zur Monotonie. Glamour, tägliche, aufregende und glorreiche Herausforderungen sind selten. Ist in etwa so als würde ich mir täglich denselben Film anscheinen. Nicht schlecht, aber wenig berauschend und vor allem, sicher.
  • Die Kolleg*innen habe ich mir nicht ausgesucht. Die Chefs erst recht nicht. Es gibt Tage da bin ich scheinbar nur von Vollpfosten umgeben und andere, da sind es die besten Kolleg*innen und Chefs die ich mir  vorstellen kann. Ist wie das Norddeutsche Wetter. Irgendwie grau mit Tagen gelegentlichen Sonnenscheins. Das ist okay, aber eben nicht die Südsee.
  • Im neuen Unternehmen kochen sie auch nur mit Wasser. Oder noch schlimmer, die haben überhaupt kein Wasser und erhitzen heiße Luft. Hier, in meinem jetzigen Job weiß ich was ich habe, aber dort? Ist wie ein ein Wannenbad. Mein aktuelles ist lauwarm, ein wenig dreckig, ja, aber ich kenne die Temperatur. Weder friere ich, noch werde ich gekocht. Keine richtig tolle Sache, aber allemal besser als das eiskalte oder brühend heiße Wasser das mir im neuen Laden blühen könnte.
  • Ich lebe gern hier, in dieser schönen Stadt. Hier sind meine Freunde und Bekannten. Die Nachbarn sind freundlich, die Kneipen gut. Pendeln oder gar umziehen nur wegen des neuen Jobs? Das mache ich nur wenn es sich wirklich lohnt. Wie z.B. wesentlich mehr Geld, eine höhere Position. Aber die Kinder, die gehen hier doch…
  • Ich mache meine Arbeit gerne. Alles wäre gut wenn nur ….. nicht wäre. Aber unter diesen Umständen macht es wirklich keinen Spaß. Ich bin drauf und dran alles hinzuschmeißen. Wenn nur die Arbeit und die Kolleg*innen nicht wären. Ist wie die berühmte Katze, die hinter ihrem Schwanz herjagt.

Ich bin überzeugt das die Gallup Zahlen korrekt sind und die Stimmungslage richtig wiedergegeben wurde. Ja, viele Beschäftigte sind unzufrieden, viele wollen weg und doch machen es die wenigsten. Das ist verständlich, denn, obwohl manches mies ist im aktuellen Job, spricht auch vieles dafür zu bleiben. Diesen Zwiespalt wird überwunden, weil es nicht jeden Tag gleich schlecht ist. Es ist ein ewiges auf und ab. Gestern waren wir entschieden abzuhauen, heute läuft es wie geschmiert im Job. Die Kündigung kann also noch warten. So werden aus Tagen Wochen, aus Wochen Monate und aus Monaten Jahren. Und wir sind immer noch da.

Und auch die Sache mit der inneren Kündigung würde ich mit Vorsicht betrachten. Die meisten Menschen die ich kennen gelernt habe, geben, obwohl sie sauer und frustriert sind, ihr Bestes. Weil sie ihre Arbeit mögen und an sich selbst Ansprüche stellen, denen sie gerecht werden wollen. Richtig harte Arbeitsverweigerung wegen innerer Kündigung gibt es ganz sicher, aber nicht in dem Ausmaß wie beschrieben und vor allem nicht tagtäglich. Es wird von mal zu mal innerlich gekündigt und dann wird die Kündigung wieder zurück genommen. Bis zum nächsten Mal.

Fazit. Es gehört viel Kraft dazu den Job, die Umgebung und alles Vertraute aufzugeben für einen anderen Job. Diese Kraft bringen meiner Ansicht nach nur zwei Gruppen auf. Die, denen es so schlecht geht, das alles besser ist als das was sie jetzt haben und die, denen wirklich große Sprünge an Gehalt, Ansehen, Prestige und Aufgabe winken. Alle anderen sind, was ein normales Leben auch auszeichnet, im Großen und Ganzen zufrieden. Und dazu gehört eben auch Unzufriedenheit. Der ständig glückliche, hoch motivierte, immer zu 150% leistungsbereite, freundliche, offene und innovative Beschäftigte ist eine Ausgeburt unserer Phantasie. Es gibt sie schlicht nicht. Sie zu wünschen und zu fordern ist okay, sie zu bekommen utopisch.