Endlich selbstständig, endlich frei. Sein eigenes Dings machen. Tun und lassen worauf wir Lust haben, zu Zeiten die uns gefallen, an Orten die wir lieben. Wenn nur das Kleingedruckte in den Gründungs AGB`s nicht wäre.

Selbstständig arbeiten zu wollen entspringt immer einer Unzufriedenheit. Bei manchen ist es die Arbeitslosigkeit, bei anderen die Unzufriedenheit mit der Firma, dem Job, den Kollegen, den Chefs. Viele finden keine Arbeit die ihren Wünschen, Neigungen oder Vorstellungen entspricht oder wollen nicht jeden Morgen, jahraus, jahrein zur gleichen Zeit an den gleichen Ort gehen. Sie möchten ihr Leben selbst bestimmen. Und dafür sind sie bereit Risiken und Schwierigkeiten in Kauf zu nehmen. Von denen das Scheitern nur eine, wenn auch die mit den stärksten Auswirkungen, ist.

In Deutschland sind laut Statista Existenzgründer auf dem Rückzug. Zwischen 2001 und 2015 hat sich ihre Zahl mehr als halbiert. Von 1.548ooo auf 763000. Das ist auf der einen Seite der guten wirtschaftlichen Lage zuzurechnen, auf der anderen den zunehmenden steuerlichen und bürokratischen Hürden. Andererseits ist die Qualität der Gründungen deutlich gestiegen. Gründer*innen sind besser qualifiziert, kennen sich in dem Bereich ihrer Gründung sehr gut aus und haben einen ausgeprägten Willen zum Erfolg.

Dennoch scheitern viele. Aus vielerlei Gründen. Zu wenig Startkapital, mangelnde Marktkenntnisse, unzureichende Managementfähigkeiten um nur einige zu nennen. Darüber hinaus existieren Fallstricke die zwar vorhanden, aber nicht sofort sichtbar sind.  Es ist das Kleingedruckte in den Gründungs AGB`s. Sie beschreiben das Fundament auf der jede Gründung steht. Wird dieses Kleingedruckte nicht zur Kenntnis genommen bzw. ignoriert kann die Gründung zwar dennoch gelingen, aber die Gefahr des Scheitern steigt enorm an. Daher ist es hilfreich sie zu kennen. Hier einige AGB`s die ich kennen und schätzen gelernt habe.

  • Niemand hat auf dich gewartet.
    Es ging auch ohne dich. Du wurdest nicht vermisst, denn keiner kannte dich. Du wirst also dafür sorgen müssen, dass Kunden angestammte Beziehungen zu deinen Gunsten beenden.
  • Was du machst, gibt es schon.
    98% der Gründer erfinden die Welt nicht neu. Du wirst beweisen müssen, dass du das, was die anderen machen, besser kannst als sie.
  • Du brauchst keine Follower, sondern Kunden.
    So wichtig Fans, Follower etc. sind, deine Rechnungen werden nur von deinen Kunden bezahlt. Du musst Geld verdienen.
  • Du wirst „hungern“.
    Bis es floriert, wirst du unglaublich viel arbeiten, jede Menge Kritik hören, wenig verdienen und deine Beziehung/Familie wird unter diesen Belastungen stöhnen.
  • Du wirst scheitern wenn du Erfolg hast.
    Wenn du denkst alles ist in trockenen Tüchern, dir kann nichts mehr passieren, du hast Erfolg, dann ist die Gefahr des Scheiterns am Größten.
  • Unsicherheit wird dein Antrieb.
    Betrachte die Angst Aufträge zu verlieren, weil die Konkurrenz besser ist oder du Trends verschlafen hast, als willkommene Triebfeder um nicht in Selbstgefälligkeit und Trägheit zu versinken.
  • Zeit wird dein Freund.
    Je mehr Niederlagen durch durchlebt hast, desto größer wird deine Zuversicht und Fähigkeit mit allem und jedem fertig zu werden.

Meine Gründung liegt 25 Jahre zurück. Beruflich waren diese Jahre die besten meines Lebens. Ich würde es jederzeit wieder machen. Ich selbst habe die obigen „Wahrheiten“ nicht gekannt, sondern über die Jahre (schmerzlich) kennen gelernt. Ob es mich abgehalten hätte, wenn ich sie gekannt hätte? Nein! Hätte es genutzt sie zu kennen? Ja. Es ist besser auch die dunkle Seite des strahlenden Erfolges zu kennen. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar.