Soll es in unseren Unternehmen behaglich zugehen? Wenn um sich greift was sich als neue politische Korrektheit in unserer Gesellschaft Einzug hält, dann muss davon ausgegangen werden. Doch das hat einen hohen Preis.

Political correctness ist ein zwar ein bedeutend älterer Begriff gelangte hingegen erst in den 1990er Jahren durch die Amerikanische Rechte zu größer Verbreitung indem sie ihn dazu nutzte liberalen Ideen zu diskreditieren. In seiner ursprünglichen Bedeutung machte er darauf aufmerksam Ausdrücke und Handlungen zu unterlassen die Menschen beleidigen oder kränken könnten.

Dagegen ist nichts zu sagen, gegen seine strikte, gar umfassende Anwendung jedoch eine Menge. Dabei ist die Meinungsfreiheit die auch noch so wildeste Ansichten unter Schutz stellt, vorausgesetzt sie sind nicht strafbar, nicht wirklich in Gefahr. In Gefahr ist vielmehr der Streit, die Kontroverse. Sie sind der unverzichtbare Boden um aus einer unausgegorenen eine stabile Idee, aus einer einseitigen eine vielseitige Sicht auf Dinge, Handlungen und Vorgehensweisen zu entwickeln. In der Natur der Kontroverse liegt es, eine doofe Idee auch doof zu nennen. Ein unüberlegtes Vorgehen als wenig durchdacht zu bezeichnen und Menschen die dumme Vorurteile hegen, dumm zu nennen. Und, es führt kein Weg daran vorbei, das ist in den allermeisten Fällen für die Person die es zu hören bekommt, kränkend.

Vor vielen Jahren, ich war noch Mitarbeiter einer staatlichen Einrichtung des Gesundheitswesens, versuchte mein damaliger Vorgesetzter weitere Planstellen für unsere Einrichtung einzufordern. Statt mich den Argumenten nach mehr Mitarbeitern anzuschließen schlug ich eine Reduzierung der Mitarbeiterzahl vor. Meiner Meinung nach hätten wir mit weniger Leuten effektiver gearbeitet. In der Diskussion sagte ich meinem Vorgesetzten, das seine Argumente dumm seien, weil sie von der dummen Annahme ausgingen, mehr Leute würden unser Problem lösen. Nach dem Motto, je mehr Menschen desto besser. Das hatte schon in den staatseigenen Betrieben der DDR nicht richtig funktioniert. In Folge bekam ich nicht nur einen Maulkorb (wenn sie das laut sagen bekommen sie eine Abmahnung) sondern auch noch den Hinweis, was ich mir einbilde seine Argumente und damit ihn als dumm zu bezeichnen.

Wir sollten festhalten an Streit und Kontroversen und nicht den Weg gehen den Studenten in Cambridge für sich proklamieren und ein „Recht auf Behaglichkeit“ fordern. Das es bei Kontroversen zu Kränkungen und bisweilen auch zu Beleidigungen kommen kann ist nicht weiter schlimm. Schlimm ist dass wir nicht voran kommen, wenn wir uns in der Suppe der Nettigkeiten ertränken um bloß nicht anzuecken. Nur wo gestritten wird, wird es gut.

„Mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch Herr Präsident“. Mit diesen Worten bedachte der Grünen Politiker Joschka Fischer 2004 den Bundestagsvizepräsidenten Richard Stücklen. Kann man doch sagen, oder?