Wer wenige Freunde hat ist entweder gemein, blöd oder sieht aus wie eine tote Ratte. Nein, weit gefehlt. Es ist die Intelligenz die dafür verantwortlich ist. Mein Gott, bin ich beruhigt.

Meine Heimatregion ist ja bekanntlich Dithmarschen. Eine Landschaft von unendlicher Weite im Norden Schleswig-Holsteins. Die Einwohnerdichte ist vergleichbar mit der der Steppe Zentralasiens. Auf 2000 Kohlköpfe, einhundert Rinder und zwanzig Schafe kommt ein Dithmarscher, bzw. 0,02 Dithmarscherinnen. Wenig erstaunlich, dass wir an Freundschaften erhöhte Anforderungen stellen. Der nächste Mensch befindet sich fast immer ein bis zwei Tagesetappen entfernt. Eine Reise dorthin will also gut überlegt sein. Zumal öffentliche Verkehrsmittel und privater Autoverkehr noch in den Kinderschuhen stecken. Wir pflegen daher Freundschaften nur zu sehr wenigen, ausgesuchten Menschen. Eine, nur für Außenstehende, seltsam wirkende Nebenerscheinung davon ist unsere Angewohnheit wichtige Dinge, die nicht warten können, mit unserem Vieh oder den Kohlköpfen zu besprechen. Und nur selten bleiben die Ergebnisse hinter unseren Erwartungen zurück. Das ist ein äußerst schlaues Vorgehen und zeugt von großer Intelligenz.

Und jetzt lese ich in der Studie von  Sotoshi Kanazawa und Norman Li von der London School of Economies, dass intelligente Menschen (mir ist gar nicht aufgefallen die beiden bei uns in Dithmarschen getroffen zu haben) besonders glücklich sind, wenn sie viel Zeit allein verbringen. Sie bevorzugen daher einen kleineren Freundeskreis. Ist nicht so Zeit intensiv. Und, auch das haben Kanazawa und Li heraus gefunden, sie lieben kleine Städte und weite Landschaften. Das geht auf unsere Vorfahren als Jäger und Sammler zurück sagen die beiden Wissenschaftler. Klar, Monate lang durch die Steppe, da wird man genügsam und führt schon mal ausgiebige Diskussionen mit der nächstbesten Astgabel.

Wenn Sie demnächst mal wieder Sylt besuchen, dann fahren Sie doch mal spaßeshalber durch Dithmarschen. Sollten Sie das Glück haben, in weiter Ferne auf einen allein vor sich hin trottenden Eingeborenen zu stoßen, sprechen Sie ihn nicht an. Er beißt zwar nicht, spricht aber auch nicht und ist mit Sicherheit gerade dabei Einsteins Relativitätstheorie auf Schwachstellen zu überprüfen.

PS
Wie viele Freunde hat Ihr Chef?