Mal ehrlich, Erfolg fällt doch nicht vom Himmel, sondern ist meistens Ergebnis harter und langer Arbeit. Als Belohnung für unsere Mühen winken Anerkennung und ein stattliches Bankkonto. Soweit, so gut, wenn nur unser Gehirn nicht wäre. Es liebt nämlich keine langen Arbeitszeiten.

Vor Jahren war ich in Sydney. Eine tolle Stadt. Die Leute entspannt, das Klima wunderbar. Das alle dort die Nachfahren englischer Sträflinge sind, spielte im Alltag keine große Rolle. Weder trugen sie Ketten an den Füßen, noch waren Türen und Fenster ihrer Häuser vergittert. Mich als Erstbesucher Australiens hat lediglich erstaunt, wie wenig Rinderfarmen es im Zentrum von Sydney gab. Auch Viehtriebe, wie sie doch Down Under gäng und gäbe sein sollen, sah ich keine. Das haben sie vermutlich in der Nacht gemacht. Ich habe jedenfalls tagsüber keine einzige Kuh auf der Strasse gesehen. Sehr schlau gemacht.

Es verwundert daher kaum, dass sich die Forscher um Colin McKenzie für ihre Frage:“Wie wirken sich lange Arbeitszeiten auf unser Gehirn aus“ das schlaue Australien ausgesucht haben. Sie haben in ihrer Studie von 7500 Frauen und Männer die Arbeitszeiten und die Ergebnisse von IQ-Tests verglichen und heraus gefunden, dass 25 Stunden Arbeit pro Woche die Obergrenze dessen darstellt, was unserem Gehirn gut tut. Alles was darüber ist führt zu Einschränkungen der Lern- Innovations- und Merkfähigkeit. Das gilt vor allem für die über 40-Jährigen.

Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens, 80 Wochenstunden für die Generation der bis 40-Jährigen sind somit nicht mehr die Ausnahme sondern die Regel. Sie können das vertragen, ohne ihr Gehirn weich zu kochen. Zurück zu 38,5 Wochenstunden? Vergessen Sie`s. Gegebenenfalls könnten wir noch über eine Aufstockungen auf, sagen wir 95 Stunden, nachdenken. Und zweitens, Menschen meines Alters werden nur noch von Dienstag morgen bis Mittwoch Vormittag im Büro anzutreffen sein. Denn wer will schon einen alten Sack, mit Denk- und Merkstörungen, länger als unbedingt nötig ertragen?

Vielleicht ist nicht alles was vom anderen Ende der Welt kommt, ganz und gar ernst zu nehmen.