Das A und O der Führung ist es Mitarbeitern in einer angemessenen Form gegenüber zu treten. Besonders dann wenn sie anders sind, einer Minderheit angehören oder länger brauchen um Informationen zu verarbeiten. Das ist nicht einfach, läßt sich aber lernen. Sehr geeignet sind Cafes.

Diskriminierung ist für Betroffene entwürdigend und für Unternehmen schädlich. In der Umkehrung heißt das, möglichst viele unterschiedliche Menschen zu beschäftigen, deren Talente und Sichtweisen nutzen, was einen höheren wirtschaftlichen Erfolg mit sich bringt. Damit das gelingt sollten vor allem die Führungskräfte im Umgang mit Vielfalt geschult werden. In Trainings  wird geübt was man sagen darf, wie man sich verhalten sollte, was angemessen ist und was nicht. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen.

Frank Dobbin und Alexandra Kalev zwei WissenschaftlerInnen aus Harvard und Tel Aviv haben nun in einer amerikanischen Studie untersucht was solche Trainings bringen. Auf einen kurzen Nenner: Nichts, bzw. nicht viel. Der mangelnde Erfolg ist auf die verpflichtende Teilnahme zurück zu führen. Die TeilnehmerInnen empfanden die Vorgaben als Bevormundung und Umerziehung und rebellierten dagegen. Im Ergebnis schürten und verstärkten sie die bereits bestehenden Vorurteile.

Ich kann das verstehen. Es macht doch keinen Spaß zwanzig Leuten zu erklären, dass man übergewichtigen Kollegen die weite Verbreitung des # Hashtag nicht damit erklärt, dass sie wie Waffeln aussehen und daher besonders bei Dicken beliebt sind. Effizienter, persönlicher und erfolgreicher ist Einzelunterricht. Und es braucht lediglich zwei bis drei Minuten für die grundlegenden Dinge.

Samstag Vormittag, die Menschen erledigen ihre Wochenendeinkäufe. Keine Hektik, jeder hat Zeit für einen kleinen Plausch. Das Cafe in dem meine Frau und ich sitzen ist gut besucht und wir haben Glück einen Platz draußen, in der warmen Vormittagssonne, zu ergattern. Während also die Menschen wie auf dem roten Teppich in Cannes an uns vorbei ziehen, sagt meine Frau zu mir: „Schau mal rechts, hat die nicht mal in unserer Strasse gewohnt?

Nun geht los, was nur verstehen kann, wer gewohnt ist komplex und in wirklich großen Zusammenhängen zu denken. Manche nennen diese Menschen zwanghaft oder umständlich. Doch das sind sie nicht. Nur gründlich, sind sie. Nichts überlassen sie dem Zufall. Die Folgen unbedachter Handlungen könnten nämlich unabsehbar sein. Da darf man nicht leichtfertig sein. Nie wieder gut zu machende Zustände könnten sonst eintreten.  Zuweilen endet so etwas in Mord und Totschlag.

Also überlege ich. Rechts von mir oder von ihr aus? Ganz nah vorne rechts oder weit hinten?  Auf dieser oder der anderen Straßenseite? Welche der vermutlich vielen Frauen kommt in Frage? Wird sie das unhöflich finden, wenn ich sie anstarre? Oder sollte ich so tun, als falle mein Blick rein zufällig auf sie?  Sollte ich mich hinstelle um es zu vereinfachen?

„Ich sehe niemanden.“ Ja Rolf, sie ist jetzt links. Menschen bewegen sich, das liegt in ihrer Natur.

Ich ahnte schon, etwas wesentliches hatte ich übersehen.