Wer pendelt ist modern, gehört sozusagen zu den Fortschrittlichen der neuen Arbeitswelt. Aber leider nicht zu den Erfolgreichen, denn die pendeln nicht. Weshalb das so ist, darüber gibt eine neue Studie Auskunft.

Wenn es um das Thema Mobilität geht sind wir Deutschen meist nicht ganz vorne zu finden. Für den täglichen Weg zur Arbeit bewegen wir uns höchstens 32 Km von Zuhause weg. Schweizer und Briten legen gut und gern um die 50 Km täglich zurück. Umziehen mit der Familie wegen des Jobs? Das machen bei uns gerade einmal 3,7 % der Paare. Immerhin 6,5% aller Schweizer Paare und sage und schreibe 13,8% der Briten nehmen den Akt des Umziehens in Kauf.

Mobilität ist auch eine Frage des Alters und vorhanden seins von Kindern. Wer bereits einige Jahre auf dem Buckel und Kinder bekommen hat ist schlicht weniger bereit lange Wege in Kauf zu nehmen. Wer hingegen noch sehr jung ist kann nicht nur er muss sogar mobil sein. Um erst einmal überhaupt einen Job zu bekommen oder um einen besser bezahlten zu ergattern. Mobilität ist hier keine Errungenschaft sondern pure Notwendigkeit.

Immobilität galt lange Jahre als klassisches Merkmal schlecht ausgebildeter, anspruchsloser  Stubenhocker. Die Studie der Schweizer Soziologin Katharina Manderscheid* legt nahe, dass noch ein weiterer Grund für Seßhaftigkeit spricht, nämlich beruflicher Erfolg. Wer es geschafft hat, muss nicht pendeln. Der Klasse der Erfolgreichen steht genügend Freiraum und Selbstbestimmung zur Verfügung um den Tag mehr oder weniger frei einzuteilen.

Ein wenig erinnert mich das Ergebnis der Studie an die Nutzungsgewohnheit von Smart Phones. Wer es zu Erfolg und Aufstieg gebracht hat, muss nicht dauerhaft erreichbar sein. Von „einem Chef“ wird niemand verlangen, dass er oder sie zu jeder Zeit ans Handy springt, von einem einfachen Angestellten sehr wohl. Insofern ist das Recht zu jeder Zeit Zuhause bleiben zu können, nicht jeden Morgen in die Bahn zu springen und 24 Stunden am Tag per Handy erreichbar zu sein, ein Ausweis von Erfolg im Beruf. Immobil sein dürfen und mobil sein müssen markiert die Trennlinie zwischen Erfolg und weniger Erfolg.

*Katharina Manderscheid: Mobile Ungleichheiten. Eine sozial- und infrastrukturelle Differenzierung des Mobilitätstheorems.