Den wirklich Mächtigen und Reichen eilt der Ruf voraus, zur kleinen Gruppe einer weltweit arbeitenden und vernetzten Elite zu gehören. Doch davon kann keine Rede sein.

Die Wirtschaftswelt wird von einer kleinen Gruppe sehr mächtiger Menschen regiert. Sie sind äußerst mobil und wechseln Jobs ebenso selbstverständlich wie Kontinente. Ihr Betätigungsfeld ist der gesamte Globus. Diese Meinung über die mächtige Wirtschaftselite ist weit verbreitet. Nicht zuletzt basieren auf diesem Denken hierzulande auch Gehaltsdiskussionen (wenn wir nicht Gehälter wie in Amerika zahlen, sind unsere Spitzenkräfte weg) und Steuerfragen (wenn wir den Spitzensteuersatz anheben, wandern die Reichen mit dem Geld aus). Doch einem Faktencheck halten diese Behauptungen nicht stand, wie der Elitenforscher Michael Hartmann belegt hat.

In seinem Buch „Die globale Wirtschaftselite“ hat er beschrieben, das mehr als 90% der Superreichen weltweit immer noch im dem Land leben, in dem sie geboren und aufgewachsen sind. Schaut man sich nun die ersten zehn Plätze auf der Forbes Liste der reichsten Deutschen an, so wird man mit den Albrecht Brüdern (ALDI) den Geschwistern Susanne und Stefan Quandt (BMW) sowie Mutter und Sohn Schaeffler (Conti, FAG) den Hamburgern  Michael Otto (Versandhandel) und Michael Kühne (Logistik) sowie Hans Hermann Thiele (Knorr-Bremse) und Hasso Plattner (SAP) nur Deutsche antreffen. Sie haben zwar während ihrer beruflichen Tätigkeit das eine oder andere Jahr im Ausland verbracht, aber die weitaus überwiegenden Jahre in Deutschland.

Menschen mit enormen Reichtum und erheblicher Macht sind um ein vielfaches Seßhafter als die aufstiegsorientierte, reiche Mittelschicht. Um es salopp zu formulieren, die Mächtigen lassen um die Welt fliegen und die aufstiegorientierte, reiche Mittelschicht (hochbezahlte Manager) fliegen um die Welt indem sie für die Mächtigen arbeiten.

Hartmanns Ergebnisse sind insofern interessant, weil sie das Klischee von der polyglotten, mal hier mal dort wohnenden und arbeitenden Machtelite, widerlegt. Macht und viel Geld ist nämlich äußerst sesshaft. Wir brauchen also keine Angst haben, dass bei einer Einkommenssteuererhöhung oder erhöhter Erbschaftssteuer das ganze Geld auf die Chayman Inseln oder Monaco abwandert. Zumeist in Deutschland ist Geld auch sehr scheu. Die meisten deutschen Milliardäre meiden die Öffentlichkeit. Was man von ihren angestellten und hochbezahlten Managern nicht immer behaupten kann.