Kurz vor dem 25jährigen Berufsjubiläum hat das Unternehmen seinem freundlichen Mitarbeiter gekündigt. Mit der fadenscheinigen Begründung, dass er die letzten 24 Jahren nicht zur Arbeit erschienen sei. Das geht doch nicht, denn vielleicht litt der Mann, wie ich, unter der Oblomowerei.

Es mag ja Menschen geben, die schlechte Erfahrungen mit Handwerkern gemacht haben. Weil sie nicht kommen, teuer und unfreundlich sind oder schlampig arbeiten. Ich kann mit solchen Erfahrungen nicht dienen. Ganz im Gegenteil. Gerade war wieder unser Klempner da, um die jährliche Heizungsinspektion durchzuführen. Netter Kerl. Groß, freundlich und neuerdings mit Vollbart wie Frank Riberie. Auch am Klempnergewerbe geht der Hipster nicht spurlos vorbei.

Zur Steigerung der Arbeitsmoral bekommt mein Monteur erst einmal einen Kaffee. Dann unterhalten wir uns ein wenig über die politische Großwetterlage, streifen die neuesten Trends des Aktienmarktes und schmieden zu guter letzt Pläne, wie wir Griechenland im Euro halten können. Wegen des Urlaubs. Immer diese Umtauscherei in Drachmen. Anstrengend. Kennt man doch von früher.

Mit „Dann will ich mal“ beendet er unsere Unterhaltung und macht sich an die Arbeit. Worauf ich antworte: „Falls Sie was brauchen, einfach rufen, ich bin in der Nähe.“ Wir sind eben beide eingespielt. The same procedure as every year plumber. Eine halbe Stunde später ruft er: „Herr Schröder, könnte ich mal einen Staubsauger haben?“  Ich eile mit unserem Bosch Progress, Baujahr 1972, Richtung Heizung. „Mir ist ein wenig von dem Ruß auf den Boden gefallen. Stellen sie doch bitte den Staubsauger einfach hin, ich sauge das gleich weg.“ Dann verschwindet sein Oberkörper wieder in der Heizung.

Manche Menschen bekommen scheinbar wie aus dem Nichts heraus epileptische Anfälle oder werfen einfach ihr gesamtes Bargeld aus dem Fenster. Aus Gründen, die mir unbekannt sind, vielleicht ein unentdecktes H2ON1 Virus, werde ich von einer Minute auf die andere mutig. So wie der Hahn, der auf der Straße den toten Fuchs gesehen hat, in den Stall zu den Hühner eilt und lautstark verkündet: “ Keine Angst Mädels, wenn der Fuchs kommt, dann reiße ich ihn in Stücke.“

„Ach lassen sie mal“, rufe ich in Richtung des Klempners, „meine Frau muss sowieso putzen, dann kann sie das gleich mit machen.“ Natürlich habe ich mich kurz vorher versichert, dass meine Frau nicht im Haus ist. Ich bin zwar mutig, aber nicht lebensmüde. Aus der Ecke des Klempners, aus der bis eben Arbeitsgeräusche kamen, wurde es merklich still. Dann, geschmeidig wie Hudini, schlängelte er sich aus dem Kasten in dem die Heizung verborgen ist, hervor, schaute mich lächelnd an und sagte: „Stammen Sie von Fürst Oblomow ab?“

Nun hätte ich nichts gegen eine adlige Abstammung einzuwenden, schon allein wegen der Aussicht auf riesigen Grundbesitz, unermesslichen Reichtum und russische Pelzmützen, doch Oblomow war mir noch auf keinem unserer Familientreffen begegnet. „Oblomow, wie meinen sie das?“ Ein breites Grinsen lag auf seinem Gesicht, das dann in Lachen überging.  „Na ja, der hat auch immer andere für sich arbeiten lassen, ist aber arm gestorben.

Dass der russische Adlige Iljitsch Obmolow eine Romanfigur ist, erfuhr ich aus Wikipedia. Er verkörpert das Bild eines begabten, gebildeten, allerdings passiven und faulen Menschen. Auch als Oblomow-Syndrom bekannt und nicht nur in der indischen Arbeitswelt verbreitet.

Gebildete Klempner sind ein Segen, können einen aber durchaus fertig machen.