Wut im Bauch, Tastatur in Reichweite und flinke Finger. Mehr Zutaten sind für eine gepfefferte Mail nicht nötig. Blöd nur, wenn man in erkaltetem Zustand das Ding doch lieber nicht geschrieben hätte. Forscher in Bangladesh wollen jetzt mit einer denkenden Tastatur das Gröbste verhindern.

Menschen haben zu Geld ein besonderes Verhältnis. Den einen ist es egal, sie haben ohnehin ständig zu wenig davon. Den anderen ist es Lebensinhalt. Es vergeht keine Stunde in der sie nicht ihr Konto überprüfen. Die haben mehr Angst vor unerklärlichen Kontoständen, als vor Terroristen. Dann gibt es noch die Smarten. Die haben auch nie Geld, kontrollieren ihr Konto im Viertelstundentakt, weil sie hoffen, dass durch wundersame Zahlungseingänge ihr Konto in schwindelerregende Höhen schießt. Zu letzterer Gruppe gehöre ich.

Auf der Suche nach Ungereimtheiten durchstöbere ich, wie ein Großwildjäger die Savanne auf der Suche nach Rebhühnern mein Konto und finde doch, man glaubt es kaum, tatsächlich eine Abbuchung, die nie und nimmer in Ordnung sein kann. Betrug schießt es mir durch den Kopf. Osteuropäische Cyberkriminelle plündern mein Konto. Und dann das Unerklärliche. Meine Bank macht ganz offenbar mit den Halunken aus Noworaskaja gemeinsame Sache. Sie hat mir doch tatsächlich 0,60 € Portokosten abgebucht.

So geht es nicht Freunde. Also ran an die Tastatur. Mail an die Bank schreiben. Das sehr geehrte spare ich mir. Höflichkeiten haben keinen Platz, wo es um kriminelle Machenschaften geht. Da ich ausschließlich meine Bankgeschäfte online erledige, beginne ich meine Mail mit: Sie können mir gar keine Post geschickt haben. Also können Sie auch kein Porto verlangen. Die freundlichen Grüße entfallen ebenfalls. Senden und fertig ist die Laube. Jetzt können sie mal sehen, wie sie damit klar kommen.

Keine zwei Stunden später kam die Antwort. “Sehr geehrter Herr Schröder, der Vorgang bezieht sich auf das Jahr 2001. Da hatte Ihr Konto noch keinen Onlinezugang. Daher haben Sie regelmäßig die Kontoauszüge per Post erhalten.”

Damit mir das nicht wieder passiert, warte ich sehnsüchtig auf die Forschungsergebnisse von Haque Nahin und Kollegen von der Uni Bangladesh. Die entwickeln gerade einen Algorithmus, der anhand der Tastaturnutzung herausfindet, ob wir bitterböse Mails schreiben und dann nachfragt, ob wir die auch wirklich absenden wollen. Wäre doch toll, wenn so ein Algorithmus einem sagt: “Sei wenigstens freundlich, wenn du schon falsch liegst.”