Schwupp di wupp kommt der Personaler um die Ecke und gratuliert zum Zehnjährigen. Der Rentenbescheid ist jetzt nur noch einen Katzensprung entfernt. Dabei ist man doch erst gefühlte zwei, höchstens drei Jahre im Job. Schuld an diesem Paradox ist der Kopf, er möchte mehr Abwechslung.

Ich bin noch nie in Finnland gewesen. Aber ich kenne es durch und durch. Dank Matti Kaurismäki und Hape Kerkeling bin ich absoluter Finnlandexperte. Kaurismäki, finnischer Filmregisseur hat mir einen Einblick in die finnische Seele beschert und darin ist es ähnlich trostlos wie auf dem Einwohnermeldeamt von Itzehoe. Kerkeling, deutscher Komiker, hat mir die finnische Landschaft nahe gebracht: Finnland ist lang und weilig. Jedenfalls ohne Wodka.

Wer verstehen will, wie Zeit vergeht, muss es machen wie die Finnen, möglichst wenig Abwechslung, möglichst wenig Neuerungen, keine Experimente. Je weniger im Leben passiert, desto schneller vergeht die Zeit. Man kann es sich wie eine Perlenschnur vorstellen. Wenn viele Perlen auf der Schnur sind, dann ist die Kette lang. Die verstrichene Zeit wird von uns als lang erlebt. Sind wenige Perlen darauf, dann ist die Kette kürzer und unsere gefühlte Zeit verstreicht schneller.

Forscher um den Psychologen Marc Wittmann haben Menschen im Alter zwischen 14 und 94 Jahren danach befragt, wie schnell oder langsam ihrer Einschätzung nach, die letzten zehn Jahre vergangen sind. Dabei kam heraus, dass für Teenager die Zeit langsamer verstrich als für junge Erwachsene. Und je älter die Befragten waren, desto schneller schien ihnen die Zeit vergangen zu sein. Dieses paradoxe Phänomen ist laut Wittmann darauf zurück zu führen, dass es, je älter wir werden, immer weniger Neues in unserem Leben gibt. Doch gerade das Neue ist es, das uns als Erinnerung im Gedächtnis bleibt. Fehlt es, erscheint uns im Rückblick die Zeitspanne kürzer. Unser Leben fliegt an uns vorbei.

Ich habs gewusst, das haben die Finnen erfunden. Damit es bei den langen Autofahrten durch endlose Kiefernwälder nicht zu absurd hohen Selbstmordraten kommt, nimmt der Finne eine vierwöchige Tundradurchquerung als Tagesreise wahr. Geschickt, diese Finnen.

Die Studie von Wittmann und Co. gibt hier..