schreiben

So, jetzt ist es klar. Wer sich etwas merken will, so eine Studie, muss es von Hand auf einen Zettel schreiben. Ich habs gemacht. Allerdings etwas Zentrales übersehen. Und unser Gemüsehändler, der sonst auf alles eine Antwort hat, konnte mir auch nicht helfen.

Was unsereins sich in der heutigen Zeit nicht alles merken soll. Den eigenen Namen, das Geburtsdatum der Kinder oder auch, wo ich letzte Nacht das Auto abgestellt habe. Als wäre das nicht schon Überforderung genug, möchte nun auch noch unser Gemüsehändler wissen, was ich von ihm will.

Wochenendeinkauf. Ausgestattet mit zwei Einkaufsbeuteln aus Ballonseide, die in ihrem Aussehen an ein psychodelisches Experiment von Timothy Leary erinnern, bin ich bereit den Gemüsebedarf für volle drei Tage zu decken. Auf einen Schlag. In einem Aufwasch. Damit ich auch ja nichts vergesse, habe ich alles schön ordentlich auf einen kleinen Zettel geschrieben. Von Hand. Genau wie die beiden Forscher Pam Mueller und Daniel Oppenheimer von der Princetown Universität in ihrer Studie empfohlen hatten. Sie haben verglichen, ob es einen Unterschied macht, wenn man die Infos in den PC bzw. das Smartphone tippt oder sie per Hand aufschreibt. Von Hand notiert, bleiben sie länger im Gedächtnis.

“Und, was kann ich heute für dich tun?” So wie der Satz “Los, Harras hol den Stock” beim Hund dafür sorgt, dass er wie eine gesengte Sau dem Knüppel hinterher rennt, greife ich, bei der Frage unseres Gemüsehändlers nach meinem Wunsch, in die Hosentasche, um meinen Zettel raus zu holen. Da steht drauf, was ich will. Doch ich greife vergebens in die Hosentasche. Nichts. Andere Seite. Wieder nichts. Es folgt linke Jackentasche, rechte, dann die Innentasche. Die anderen Kunden hinter mir beginnen zusehends von einem Fuß auf den anderen zu treten.

Bemüht, das Ganze ein wenig abzumildern und um zu zeigen, dass ich absolut Herr der Situation bin, gebe ich schon mal die erste Bestellung auf. “Bitte ein halbes Pfund Spinat” und zeige dabei auf etwas blättriges Grünes. Der Zettel ist immer noch nicht aufgetaucht. Dabei habe ich schon die Taschen des Kunden neben mir durchsucht. Ebenfalls vergebens. “Das ist Mangold”, antwortet unser Gemüsehändler. Nur nicht panisch werden, lautet jetzt meine Devise. “Genau, meine ich doch auch. Mangold. Natürlich. Kein Spinat”. Ich versuche zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Ein halbes Pfund Mangold.

Mit dem Mangold kommt die goldene Brücke. “Vielleicht hast du deinen Zettel ja in dem Beutel”. Netter Versuch denke ich. Aber ich kenne diese Strategie aus dem Fernsehen. Wenn Portiers in Luxushotels die gesperrte Kreditkarte eines total abgebrannten Gastes mit der Bemerkung zurück geben: “Vielleicht haben sie noch eine andere. Diese scheint defekt zu sein”

Zettel? Ich? Brauch ich nicht. Doch nicht in meinem Alter. Hab ich alles im Kopf. Ich hab nur mein Handy gesucht. Ein Kilo Karotten bitte! Und von allem anderen ein bisschen.
Müller und Oppenheimer hätten ja auch mal sagen können, dass ich den Zettel mitnehmen muss. Stand nicht drin. Studien, die so luschig formuliert sind, gehören verboten.