Bekommen Sie demnächst eine neue Chefin/Chef, dann fragen Sie nicht, was sie kann, sondern ob sie Geschwister hat. Wenn sie Zweitgeborene war, verlassen Sie möglichst schnell das Unternehmen. Es sei denn, Sie lieben Spaß.

Wenn unsere Mutter meinen Bruder zum Einkaufen schickte, kam er zeitig zurück, hatte alles besorgt was auf der Liste stand und brachte, bis auf den Pfennig genau, das Wechselgeld mit. Schickte sie mich, bereits meine begrenzten Einkaufstalente berücksichtigend, nur zum Milch holen, kam ich nach Stunden prompt ohne Milch und Geld zurück. Erstere stehen gelassen, letzteres verloren.

Unnötig zu erwähnen, dass mein Bruder älter war. Denen wird ja stets nachgesagt, dass sie vernünftiger sind. Dass sie allerdings auch schlauer sind, im Job erfolgreicher und insgesamt mehr auf der Gewinnerseite des Lebens stehen, als ihre jüngeren Geschwister, das geht nun doch zu weit.

Obwohl, geahnt habe ich es ja. Spätestens, als sich mein Bruder einen nagelneuen Passat Kombi (vernünftiges Auto) zulegte und ich mir einen alten rostigen R4 (cool, aber unvernünftig), der sämtliches Öl der Vereinten Arabischen Emirate in einem Monat durchbrachte. Sei es drum, die Ergebnisse des norwegischen Militärs haben mich hellhörig werden lassen. Die Norweger unterziehen alle Männer, bevor sie sie zu Soldaten machen, einem Intelligenztest. Dabei kam unter 250 000 untersuchten Männern heraus, dass erstgeborene Männer einen durchschnittlichen IQ von 103,2 hatten. Die zweitgeborenen kamen auf 101,2 und die drittgeborenen Männer auf lausige 100,0. Wer das Glück hat als zehntes Kind in eine putzmuntere Großfamilie hinein geboren zu werden, muss wahrscheinlich nicht zum norwegischen Militär und darf weiter ungestört die Berge putzen.

Nun gibt es einen Korb voller Ideen, woher es kommt, dass Erstgeborene vom Leben begünstigt werden. Es könnte vielleicht daran liegen, dass sie in den ersten Jahren ihre Eltern allein für sich hatten. Ob das ein Vorteil ist, ich weiß nicht. So ganz allein mit den Eltern ist vielleicht so, wie ganz allein mit Godzilla.

Dann wäre da noch, dass Erstgeborene ihren jüngeren Geschwistern die Welt erklären. Das viele Erklären macht schlau. “Selbstverständlich kleine Schwester, du darfst ruhig an Papas teuren Plattenspieler und ja natürlich darfst du deine Legofiguren darauf festkleben, um sie Karussell fahren zu lassen.”

Die Forscher Hotz und Pantano haben in einer Umfrage herausgefunden, dass Eltern die älteren Geschwister strenger erziehen, ihnen mehr Disziplin beibringen und sie bei schlechten Noten strenger bestrafen als ihre jüngeren Geschwister.

Doch was alle Forschungsergebnisse gemeinsam haben, Erstgeborene, vielleicht außer Prinz Charles, haben mehr Erfolg als ihre jüngeren Geschwister. Sollte also die neue Chefin Erstgeborene sein, können Sie im Unternehmen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Karre gegen die Wand fährt, ist gering. Vielleicht fährt sie ja auch einen Passat Kombi. Wenn Sie allerdings mal so richtig was erleben wollen, so mit allem drum und dran, Existenzangst und kein Weihnachtsgeld, dann suchen Sie sich eine Zweitgeborene als Chefin. Der R4 unter den Chefs. Spaß garantiert.

Merkel und Papst Franziskus sind Erstgeborene. Bill Gates und Mark Zuckerberg sind jüngere Geschwister.