Schlaf

“Schlafen kann ich wenn ich tot bin” ist unter den tatsächlichen oder vermeintlichen Spitzenkräften in der Berufswelt ein weit verbreitetes Glaubensbekenntnis und verweist den Schlaf ins Reich unproduktiver und damit gänzlich überflüssiger Tätigkeiten. Wer das für richtig hält, sollte auch seinen Müll in der Wohnung stehen lassen. Kommt auf`s gleiche raus.

Wie wichtig, gar über lebenswichtig Schlaf für einen gesunden Organismus ist, kann erst nachvollziehen wer darauf verzichten muss. Bereits nach einem Tag treten Interessenlosigkeit , Nervosität und Konzentrationsstörungen auf. Es wird angenommen das für 25 % aller betriebliche Unfälle Schlafmangel die Ursache ist. In seiner verachtenswerten Form wird Schlafentzug gar als Folterinstrument eingesetzt und ist für dauerhafte schwere Schäden bei den Betroffenen verantwortlich.

Nun gehen die meisten davon aus, dass wir schlafen um uns zu erholen. Der Körper sozusagen eine Reise auf die Bermudas unternimmt, um für ein paar Stunden die Seele baumeln zu lassen, Beine ins Wasser hängen, den einen oder anderen Martini schlürfen um für den nächsten Tag gerüstet zu sein. Doch weit gefehlt. Wenn wir schlafen, dann ist Arbeit angesagt. Der Regensburger Schlafforscher Jürgen Zulley spricht demnach vom Schlaf auch als anderen Wachzustand. Und in diesem Zustand verbrauchen unsere Körper ähnlich viel Energie wie in den Wachphasen.

Diese Energie nutzen wir nicht für ausgedehnte Waldspaziergänge um Mitternacht, die meisten von uns werden die Nacht liegend und Bewegungslosigkeit vortäuschend, im Bett verbringen. Wir setzen stattdessen die Energie für die Müllabfuhr ein. So haben Forscher der Rochester Universität in New York beobachtet, dass sich Nacht für Nacht die Nervenzellen zusammen ziehen und dadurch Zwischenräume schaffen, ähnlich den Kanälen in Venedig, in denen Gehirnflüssigkeit strebt und giftige Stoffe aus unserem Denkorgan abtransportiert.

Das Ergebnis ist beeindruckend. Die Leistungsfähigkeit kehrt zurück und die Belastungsgrenzen für den kommenden Tag steigen. Darüber hinaus steigert diese Müllabfuhr die Fähigkeit des Langzeitgedächtnisses, auch nicht zu verachten. So erinnert man sich auch noch Jahrzehnte später, wenn der Chef einen schlecht behandelt hat. Und bei Braunbären verschwinden sogar Wunden im Schlaf. Okay, die wenigsten von uns sind Braunbären, aber was für Bären gut ist, ist bestimmt auch was für uns.

Und wer es Schlafseitig zu richtiger Perfektion bringen will, nimmt sich ein Beispiel an dem Mitarbeiter im Supermarkt. Während ich vor dem Regal mit Sauerkraut unschlüssig von einem Bein aufs andere hüpfe und überlege welches Kraut nun wohl das richtige ist, sortiert besagter Mitarbeiter Waren ins Regal. Aus der Tiefe des Raumes kommt plötzlich dessen Chef heran und sagt laut und hörbar zu ihm: “Meine Güte, du schläfst ja auch wenn du arbeitest.” Dem Chef liegt was an der Gesundheit seiner Leute. Vorbildlich!

Ach so, bevor ich es vergesse. Die Schlafforscher halten einen ungestörten Schlaf von 6 – 8 Stunden für das Beste. Dann muss ich wohl oder übel noch mal in mich gehen. Vielleicht werden in meinen 14 Stunden auch Bestandteile in die Kanalisation gespült, die da nicht hingehören. Zuviel Sauberkeit kann ja auch schaden, oder?