Siesind
Menschen lieben es, wenn wir uns an ihren Namen erinnern. Doch erst einmal müssen wir sie uns merken. Und das ist nicht ganz leicht, wenn wir tagaus tagein auf viele Leute treffen. Doch es gibt Tricks, die richtig angewandt, sogar dafür sorgen, dass man sich an die Namen von Personen erinnert, die man nie zuvor gesehen hat.

Mal ehrlich, ist es nicht wunderbar, wenn Sie einen Menschen treffen, den Sie bisher nur einmal gesehen haben und ihn freudig mit seinem Namen begrüßen können? Natürlich ist das wunderbar. Jeder mag das. Es drückt Wertschätzung und Interesse aus. Doch was tun, wenn einem partout der Name nicht mehr einfällt? Man kennt zwar das Gesicht, aber das war es auch schon.

Dass die Gesichtserkennung verlässlicher funktioniert, als das Erinnern von Namen, hat evolutionäre Ursachen. Namen gab es in Höhlenzeiten nicht. Räuber und Fressfeinde stellten sich daher nicht vor: “Gestatten, Schludroffsky, ich werde sie jetzt erschlagen und fressen”, sondern schlugen kurzerhand zu.  Daher war war es für unser Überleben wichtig, Feinde von Freunden zu unterscheiden. Wir merkten uns ihre Gesichter.

Natürlich ist es generell möglich auf Namen zu verzichten und Umschreibungen zu nutzen. “Sie sind doch der, der mit dem Wolf tanzt” ist so eine Möglichkeit. Doch die endet schon, wenn drei oder mehr Leute mit Wölfen rummachen. Dann wird die ganze Nummer unpräzise. Namen sind dann schon irgendwie sinnvoller. “Na Herr Schludroffsky, immer noch mit den Wölfen am Rumtanzen?” Das hört sich doch auch gleich viel besser an.

Das dachte sich auch der Mann vom Arbeiter Samariter Bund, der eines Morgens bei uns an der Tür klingelte, um ein wenig Geld für seinen Verein zu erbeten. Mitglied sollte ich werden. Zahlendes versteht sich. Und er ging äußerst geschickt bei seiner Anwerbung vor. Arbeitete mit der Methode: Willst du jemanden von deinem Anliegen überzeugen, sprich ihn mit seinem Namen an. Das bricht das Eis.

Nachdem ich die Tür geöffnet hatte, strahlte mich dieser Samariter mit dem breitesten Lächeln an, das ich jemals gesehen habe. “Guten Tag. Ich bin vom Arbeiter Samariter Bund Herr…?” Das Herr lang dehnend, drehte er mit einer schwungvollen Bewegung seinen Oberkörper in Richtung Klingelschild, wirbelte wieder zurück und fragte: “Sind sie Herr Schröder oder Herr Müller?“ „Schröder, antwortete ich.“  „Großartig Herr Schröder. Wie ich schon sagte, ich bin vom ASB und ohne uns wäre die Welt ein wenig ärmer.“

Ich werde beim ASB anrufen und mir sagen lassen, wo sie ihre Leute schulen. Das möchte ich auch lernen. Ach so, die Profis raten dazu, den Namen des Gegenübers bei der Vorstellung laut und deutlich zu wiederholen. Dann lässt er sich gut merken.