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Noch mal was ganz anderes machen, Schafe züchten auf Island oder eine Käserei eröffnen . Wer träumt nicht davon einfach das Alte hinter sich zu lassen und sich noch einmal völlig neu zu erfinden. Alles kein Problem, wenn, ja wenn man 20 wäre, aber mit über 50? Doch es gibt gute Gründe, auf diese Idee des Neuanfangs mehr als nur einen Gedanken zu verschwenden.

Karrieren kennen nur eine Richtung, steil nach oben. Okay, ein paar kleine Schwankungen gehören dazu, aber in der Tendenz muss die Kurve nach oben zeigen. Ähnlich der Fieberkurve eines Malariakranken bevor die Medikamente anschlagen. Allerdings wünschen sich die meisten an Malaria Erkrankten nichts sehnlicher, als dass ihre Kurve schnell nach unten verläuft. Für Karrieren gilt das nicht.

Und so geht es stetig und ständig vorwärts. Aus Monaten werden Jahre, aus Jahren Jahrzehnte. Die Kinder sind ausgezogen, Häuser ab bezahlt, das Einkommen wird mehr, die Haare weniger. Mit jedem Tag rückt man auf dem Sprungturm des Lebens ein Stückchen weiter Richtung Kante. Doch schon damals in den Jugendtagen, Sie erinnern sich, gab es immer mal wieder Kinder, die es sich anders überlegt haben und nicht springen wollten. Sie sind einfach wieder vom Turm runter und haben sich anderen Dingen zugewandt. Dingen, die sie spannender fanden. Ja, ich weiß schon was Sie jetzt sagen werden, das haben sie nur gemacht, weil sie Angst hatten zu springen. Sie haben völlig Recht, das war mit Sicherheit der häufigste Grund. Doch was ist falsch daran, auch dann noch das Richtige zu tun, wenn andere es sich nicht mehr trauen würden?

Es gibt gute Gründe immer mal wieder zu überlegen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist. Dabei ist noch nicht einmal die zunehmende Bereitschaft von Personalchefs der wichtigste Grund, um seinen Lebensweg zu überdenken. Personalchefs konfrontieren zukünftige Mitarbeiter immer öfter mit der Frage: “Denken Sie darüber nach ihrem Leben eine ganz andere Richtung zu geben und wenn ja, in welche Richtung soll das dann gehen?“ Personaler gehen davon aus, dass Mitarbeiter sich in größeren Zeiträumen immer wieder an neue Techniken, Arbeitsinhalte und gesellschaftliche Entwicklungen anpassen müssen, um sich so für die wechselnden Anforderungen fit zu halten.

Die Anpassung an die Arbeitswelt ist notwendig, doch sie stellt nicht den wichtigsten Grund für die Neuausrichtung da. Es ist die Fähigkeit zu jeder Zeit erprobte Wege verlassen zu können. Einfach nur, weil man es will, den Sprungturm verlassen zu können. Egal wann, weshalb oder wie. Auch jenseits der 50.
Es ist nie zu spät.
Egal wie alt wir sind, wir können uns immer neu erfinden. Ob mit 50, 60 oder weit später. So wie die ehemalige Verbandsoberin, die seit ihrer Pensionierung Käse herstellt und den auf Wochenmärkten sehr erfolgreich verkauft.

Überqualifizierung gibt es nicht.
Wer jahrelang in einer führenden Position war und nun in einer neuen Branche als Mitarbeiter weiter macht, ist aus eigener Erfahrung sehr gut in der Lage zu verstehen, unter welchem Druck seine neuen Chefs stehen und kann daher besser darauf eingehen. So wie der Vertriebschefs eines Maschinenbauunternehmens, der jetzt als Mitarbeiter in der Patientenaufnahme eines Krankenhauses arbeitet.

Mit der Zeit gehen.
Internet, Social Media und vernetzte Arbeitsstrukturen sind keine Dinge, die man sich mal, wenn die Zeit ausreicht, anschauen könnte. Sie sind auch nicht eine andere Welt, die mit dem realen Leben so gut wie gar nichts zu tun haben. Diese Dinge sind die Welt und bestimmen wesentlich mit wie Menschen denken, handeln, arbeiten und Verbindungen knüpfen. Übrigens ist die am schnellsten wachsende Nutzergruppe im Internet die der über Sechzigjährigen.

Mehr zum Thema findet sich in dem lesenswerten Buch “Reinventing You” der Professorin Dorie Clark von der Duke Universität in Durham.