Die Natur ist dafür bekannt, alles aufs Vortrefflichste zu regeln. Kein Gedöns, keine halben Sachen. Allenfalls gestattet sie sich von Zeit zu Zeit die eine oder andere kleine Laune. Spaß muss schließlich sein. Was sie sich allerdings dabei gedacht hat, aus Kindern, die ihr Elternhaus verlassen, Mietnomaden zu machen, ist mir schleierhaft.

Kinder werden erwachsen. Eltern merken das daran, dass die kleinen Racker von früher heute spielend das ganze Sofa füllen, wo früher die gesamte Familie, einschließlich Hund Platz hatte. Und irgendwann taucht dann unweigerlich der Wunsch beim Nachwuchs auf, in die eigenen vier Wände zu ziehen. Meist stellt sich dieses Verlangen zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Geburtstag ein. Gelegentlich auch schon früher, wenn die Eltern an den Kühlschrank ein Vorhängeschloß angebracht und die Waschmaschine still gelegt haben.

Ein an und für sich ganz normaler Vorgang. Wäre da nicht dieses Verhalten, das sonst nur bei Mietnomaden zu beobachten ist. Die zahlen nämlich monate,- bis jahrelang keine Miete und wenn sie dann abhauen, lassen sie den alten Plunder zurück.

Das tun unsere Kinder natürlich nicht. Schließlich haben sie die ausstehende Miete längst mit ihrer Liebe und Zuneigung bezahlt und die paar Dinge, die sie zurück lassen, werden wir schon irgendwo unterbringen können. Vierzehn Regalmeter Bücher, zwölfeinhalb Kilo Kuscheltiere, Klausuren und Hausarbeiten seit Grundschultagen und den einen oder anderen lebenden Hamster. Einen kurzen Moment, vielleicht den Bruchteil einer Sekunde habe ich daran gedacht, den ganzen Plunder zu verschenken oder in die Tonne zu werfen. Doch dann dachte ich an den Häherkuckuck und ließ schön die Finger davon.

Der Kuckuck an sich, insbesondere die Unterart, der Häherkuckuck , hat es gern einfach wie die Forscher Chakra, Hilbe und Traulsen berichteten. Das Brüten überläßt er lieber anderen. Dazu jubelt er seine Eier kleinen, niedlichen, lieben Singvögeln ins Nest. Sollten die jetzt auf den Trichter kommen und sich sagen: “He, was sind das für Eier. Die gehören nicht uns, raus damit,” dann kommt der Kuckuck zurück. Und zwar gewaltig. Ganz nach Manier einschlägiger italienischer oder russischer Organisationen zerlegt der Häher nun dessen Brut und haut anschließend das Nest der unwilligen Wirtseltern mal eben kurz und klein.

Ich habe jetzt angefangen meine Sachen bei einer Spedition unter zu stellen. Falls der Häher mal wieder um die Ecke kommt, soll meine Gesundheit nicht am Platzmangel leiden.