“Lieber reich und gesund leben, als arm und krank sterben.” Seit ich mich diesem Lebensmotto verschrieben habe, laufe ich. Freiwillig! Und staune, wer noch so denkt.

Sonntag ist mein Lauftag. Und nichts, aber auch rein gar nichts kann mich davon abhalten. Okay, ein ordentliches Frühstück mit Kaffee, Croissant und Kuchen vielleicht. Dunkle Wolken, die in einigen Tagen erbarmungslosen Regen versprechen möglicherweise auch. Aber sonst? Nein, ich laufe schließlich aus purer Lust.

Dabei bin ich immer wieder über die positiven Aspekte dieser Art der Fortbewegung erstaunt und erfreut. So heißt es ja, dass einem beim Laufen die besten Gedanken kommen. Und das stimmt. Heute bin ich zum Beispiel der Frage nachgegangen, ob es nicht besser wäre, wenn ich die gleiche Strecke mit dem Auto fahren würde. Das schont meine Gelenke, ist schneller und ich könnte vom Bäcker noch Zeitung und Brötchen mit bringen. Und wie das so ist, wenn man beim Laufen in den “Flow” kommt , habe ich auch gleich die straßenverkehrstechnischen und polizeilichen Aspekte meiner Überlegungen durchdacht. Passt mein Auto auf den Fußweg? Wer zahlt die Behandlung der Läufer, die im Graben landen? Was möchte die Polizei als Bußgeld in ihre Kaffeekasse überführen?

Und erst das Zwischenmenschliche. Wir Läufer sind ja ein äußerst geselliges Völkchen. Schwätzchen hier, kleiner Rat dort. Das macht Spaß. Während ich die Vorzüge der Autonutzung noch durcharbeite und darüber sinniere, ob es ratsam ist, die gesamte Strecke zurück zu laufen, gleich hier zu sterben, mich tragen zu lassen oder doch lieber den Bus zu nehmen, höre ich Schritte hinter mir. Sie kommen schnell näher. Vermutlich Ausbrecher aus der nahen JVA, schießt es mir durch den Kopf. Es gibt keine JVA in der Nähe. Verdammt! Sekunden später tauchen neben mir, leichtfüßig wie Gazellen, die gerade einen Löwen zu Tode gehetzt haben, zwei Frauen auf. So um die siebzig. Genau kann ich das bei der Geschwindigkeit nicht schätzen. Ohne auch nur den Hauch einer Anstrengung in der Stimme, sagt die eine zur anderen: “Was meinst du, sollen wir die einfache Runde laufen oder noch die Schleife dranhängen?”

Das mag sich die Spitzmaus auch gedacht haben, als sie das Hamsterrad sah. J.H. Meijer und Yuri Robbers von der Uni Leiden wollten wissen, ob wilde Tiere freiwillig Sport treiben. Dazu haben sie Hamsterräder in die städtischen Grünanlagen gestellt. Und was passierte? Ratten, Spitzmäuse und sogar Frösche kletterten rein und liefen! Einige von ihnen etliche Kilometer und wiederholt. Unglaublich. Das beweist mal wieder, dass die Vorzüge des Laufens sich bis in das Unterholz der Grünanlagen rumgesprochen haben. Sogar Schnecken habens versucht. Sind aber irgendwie mit der Mechanik nicht klar gekommen oder einfach eingeschlafen.