HomeOffice

Es gibt auch in der Gesundheitswirtschaft das Home Office. Zwar ist noch keine Klinik dazu übergegangen, Ärzten das Operieren in der heimischen Küche anzubieten, aber im Management gibt es durchaus Ansätze, Zuhause zu arbeiten. Doch lohnt sich das? Und für wen?

Klinikalltage sind hektisch. Ruhe sucht man hier meist vergeblich. Dennoch gibt es Arbeiten, die ein konzentriertes Nachdenken in Ruhe erfordern. Wer ein abgelegenes, separates Büro sein Eigen nennt, ist schon einmal auf der etwas privilegierteren Seite. Wer es außerdem schafft, das ständig läutende Telefon zu ignorieren, hat das Arbeitsplatzparadies buchstäblich zum Greifen nah. Nun fehlt, um das Glück komplett zu machen, nur noch, dass die plötzlich, meist ohne Anklopfen hereinschneienden “Ich wollte nur kurz mal…” Kollegen, wegbleiben.

Paradies und Arbeitsplatz, das scheint irgendwie nicht zusammen zu passen. So wie guter Kaffee und Zugrestaurant der Deutschen Bahn. Da liegt es nahe die Sache anders anzugehen und es wie Hape Kerkeling zu halten: Ich bin dann mal eben weg, Zuhause arbeiten. Viele Führungskräfte in der Pflege nehmen sich eine solche “Auszeit” von der Hektik des Betriebes, um sich in der Ruhe der eigenen vier Wände den wichtigen Fragen des Managements zu widmen. Das können Stunden oder auch ganze Tage sein.

Es gibt keine mir bekannten Untersuchungen, die sich mit der Zufriedenheit speziell dieser Berufsgruppe beschäftigt hat. Dennoch lassen sich aus Untersuchungen anderer Home Office Arbeiter Rückschlüsse auf Zufriedenheit, Produktivität und “Nebenwirkungen” ziehen. Nicolas Blohm von der Stanford Universität hat in einer Studie die Daten von 16000 Homeworkern ausgewertet und festgestellt, dass sie weniger und kürzere Pausen machten, seltener krank waren und ihre Konzentration gestiegen war. Das brachte insgesamt einen Produktivitätszuwachs von 13%! Zudem waren sie insgesamt zufriedener.

Natürlich gibt es, wie bei allen Dingen, die eine Wirkung haben, auch eine Nebenwirkung. Die verbesserte Produktivität wird von den Vorgesetzten nicht gesehen und daher nicht gewürdigt. Blohm nennt diesen Effekt “Aus den Augen, aus dem Sinn”. Allerdings ist im Klinikalltag genau das der Vorteil vom Out of Office. Man wird nicht gesehen, niemand will etwas von einem und man wird einfach in Ruhe gelassen.

Vielleicht liegt die Lösung darin, seinen Chef oder seine Chefin alle halbe Stunde anzurufen. Nach einem Arbeitstag im Home Office wird man dann garantiert nicht mehr vergessen.