Fuechse

Wenn man etwas von einem anderen Menschen haben möchte, dann kann man ihn fragen. Das scheint einfach, ist es aber oft nicht. Es lauern tausende tödlicher Fallstricke. Doch richtig schwierig wird es, wenn auch noch das falsche Ohr im Spiel ist.

Die Sache, von jemandem etwas zu erbitten, kann furchtbar nach hinten losgehen. Das hat vor Jahren schon Paul Watzlawick in seinem Buch “Anleitung zum Unglücklichsein” beschrieben.

Die Geschichte geht in etwa so. Ein Mann will einen Nagel in die Wand schlagen, um daran ein Bild aufzuhängen. Dafür will er sich beim Nachbarn einen Hammer ausborgen. Bevor er rüber geht, gehen ihm tausend Gedanken durch den Kopf. Sein Nachbar grüßt ihn nur noch flüchtig. Vielleicht war er in Eile, vielleicht hat er die Eile aber nur vorgetäuscht. Er hat was gegen mich. Aber was? Ich habe ihm nichts getan, diesem eingebildeten Kerl. Wenn ich einen Hammer hätte, er bekäme ihn sofort. Weshalb ich nicht. Wie kann man seinem Nachbarn nur solche einen einfachen Gefallen abschlagen? Solche Leute vergiften einem das ganze Leben. Der glaubt wohl, ich brauche seinen Hammer. Das kann er aber vergessen. Und so stürmt der Mann zu seinem Nachbarn, klingelt und bevor dieser auch nur ein Wort sagen kann, schreit er ihn an: “Behalten Sie ihren scheiß Hammer.”

Diese Strategie hat ein paar Nachteile. Zum einen bleibt das Bild dort wo es ist, auf dem Fußboden. Zum anderen kommt gegebenenfalls der psychiatrische Notdienst auf einen unverbindlichen Hausbesuch vorbei und erkundigt sich nach dem werten Wohlbefinden. Das alles ist zwar nicht weiter schlimm, doch es gibt erfolgreichere Wege. Und da spielt die Wahl des richtigen Ohrs eine große Rolle.

Die Wissenschaftler Luca Tommasi und Daniele Marzoli von der Uni in Chieti versuchten herauszufinden, in welches Ohr wir am liebsten sprechen, wenn wir andere um etwas bitten. In Dithmarschen, meiner Heimat, spielt das keine Rolle. Wir schreien die Leute frontal an. Wo dabei die Ohren sind, ist egal. Face to Face heißt das im Plattdeutschen. Doch Tommasi und Marzoli sind nicht nach Dithmarschen, sondern in Discos gegangen und haben sich angesehen, in welches Ohr die Leute posaunen, wenn sie zum Beispiel Zigaretten schnorren. Dreiviertel der beobachteten Besucher nutzten das rechte Ohr.

Und damit nicht genug. Die beiden Wissenschaftler fanden weiter heraus, wer die Leute im rechten Ohr anschnorrte, hatte am Ende deutlich mehr Zigaretten in der Tasche als die, die das linke Ohr nutzten. Die Erklärung ist simpel. Rechtes Ohr, kurzer Draht zur linken Gehirnhälfte. Dort liegt die Fähigkeit, verbale Informationen zu verarbeiten. Zudem ist die linke Hälfte gutwilliger und sagt eher mal: “Ja.”

Wer also einen Hammer braucht, sollte zum Nachbarn gehen und sagen: “Hallo, könnten Sie sich bitte kurz nach links drehen.” Dann ins rechte Ohr flöten: “Kann ich ihren Hammer ausborgen?” Falls er keinen Hammer hat: “Okay, haben sie dann wenigsten eine Zigarette?”

Und für richtige Füchse gilt, im nächsten Meeting links vom Chef sitzen. “Gehaltserhöhung?”