drd2

Offene Rechnungen nicht bezahlen, Termin beim Chef übersehen oder gar den Ehemann an der Tankstelle vergessen, das kommt alles nicht wirklich gut an. Doch keine Panik, wer schusselig ist muss nicht verzagen, sondern sollte einmal ein Auge auf sein DRD2 werfen.

Von einem Kollegen erhielt ich einen Tipp wie ich mein Auto in einem Parkhaus wieder finden kann. Falls ich mal wieder nicht wüßte wo ich es abgestellt habe. Er riet mir, mich einfach auf die Etage zu stellen wo ich mein Auto vermute und den Türöffner an meinem Schlüssel zu drücken. Dort wo es hell aufleuchtet steht mein Auto. Tolle Sache. Funktioniert wirklich. Hab ich ausprobiert. Okay, ich mußte mich durch vier Etagen kämpfen, aber dann gings.

Was sich einmal bewährt hat, bewährt sich sicher auch ein zweites Mal. Das dachte ich, als morgens unser Auto nicht mehr stand, wo es eigentlich hätte stehen sollen. Vor unser Haustür nämlich. Nun hätte ich die Suche locker angehen können, wenn nicht mein Sohn und dessen Freund hinter mir gestanden hätten. Beide waren in Zeitnot, sie mußten ihren Zug erreichen. Das Auto, sagte ich so locker es ging, steht ein paar Straßen weiter. Mit dieser, ebenso wahrheitswidrigen wie eindeutigen Behauptung setzte ich unser kleine Karawane in Gang. Meinen Autoschlüssel hatte zwischenzeitlich ich in die Hosentasche verbannt. Mußte ja nicht jeder gleich mitkriegen, dass ich wie ein Gestörter darauf rumdrückte.

“Das ist jetzt nicht wahr oder, du weißt nicht wo dein Auto steht?” stieß mein Sohn nach zehn Minuten Fußweg in einer Mischung aus Neugier (unter welcher Krankheit leidet mein Vater, kriege ich das auch?) und Panik (ich verpasse meinen Zug) hervor. Gelassen, ganz Herr der Situation, so wie es in jedem Managementseminar über Teamführung empfohlen wird, wies ich darauf hin, dass ich alles im Griff hätte und wir gleich am Auto seien.

Martin Reuter von der Uni Bonn mußte oft sein Auto suchen. Und  es hat ihn bestimmt geärgert. Anders ist nicht zu erklären warum er nach den Ursachen für diese Schusseligkeit forschte. bestimmt auch schon oft sein Auto suchen, weil er vergessen hatte wo er es abgestellt hat. Und bestimmt war er wie ich es leid. Reuter hat erforscht warum manche Menschen so vergesslich sind und andere nicht. Das Gen DRD2 macht den Unterschied. Es gibt zwei Varianten. Die Thymin und die Cytosin Variante. Und die Schusseligen unter uns, die die nicht mehr wissen wo sie ihre Sachen hingelegt, abgestellt oder liegen gelassen haben, die besitzen das Thymin Gen.

Reuter sagt, es ist nicht meine Schuld. Schusseligkeit ist genetisch bedingt und damit erblich. Das also ist der Staffelstab unserer mänlichen Linie: Großvater weiß nicht wo die Wurst hängt, Vater ist ebenfalls neben der Spur und ich wandere auch durchs Tal der Ahnungslosen.  So weit so beunruhigend. Allerdings macht mir ein anderer Umstand erheblich größere Sorgen. Wieso findet mein Sohn unser Auto, obwohl er es nicht abgestellt hat? Meine Güte, er wird doch nicht krank sein?

 

 

 

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17349-2014-03-20.html