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Krankenhäuser, die was auf sich halten, haben natürlich eine eigene Homepage, sind auf Facebook ebenso vertreten wie bei Twitter. Das ist wunderbar, wirft allerdings eine grundlegende Frage auf: Was soll da, bei der Vielzahl der Kanäle, eigentlich alles erzählt werden? Wer Antworten sucht, findet sie, man kann es ahnen, bei Anwälten. Sie sind die wahren Meister der schwungvollen Erzählung.

Zugegeben, die Sozialen Medien zu nutzen, ist für die Gesundheitsbranche eine Gratwanderung zwischen Informationsbedürfnis auf der einen und Daten-, und Patientenschutz auf der anderen Seite. Keiner will seine Hüft-OP gern auf Facebook gepostet sehen. “Hier sehen Sie das Hüftgelenk von Herrn Schröder. In unserer hervorragenden 3D Darstellung ist der totale Verschleiß, bedingt durch Bewegungsmangel, übermäßigem Alkoholgenuss und Fettleibigkeit, wundervoll zu sehen.” Auch muntere 140 Zeichen auf Twitter “Ersten Katheter meines Lebens gelegt. Schröder lebt noch. Mal sehen wies morgen aussieht” werden vermutlich Irritationen hervorrufen.

Trotz dieser Probleme kann doch die Alternative nicht darin bestehen, immer nur den jährlichen Qualitätsbericht oder die Bilanz zu posten? Da muss es doch was besseres geben? Natürlich, das gibt es. Es sind Geschichten direkt aus dem Leben des Unternehmens. Von den Menschen, die dort arbeiten. Dieser Ansatz, auch Storytelling genannt, gewinnt immer mehr Anhänger. Insbesondere in Branchen, in denen es um Diskretion und Datenschutz geht und man nicht einfach drauflos plaudern kann. Ein gelungenes Beispiel geben hier die Anwälte.

So berichtet eine amerikanische Anwaltskanzlei über einen Fall, der sich bei ihnen zugetragen hat:

Unser Anwalt, ein Freund teurer Zigarren, erwarb eine Lage sehr seltener kubanischer Zigarren. Natürlich, denn ihr Wert war enorm, versicherte er sie gegen Feuerschaden. Kommt ja nicht selten vor, dass unsere leichten amerikanischen Holzhäuser mir nichts dir nichts abbrennen und die seltenen Havannateile in Asche übergehen.

In den nächsten Monaten rauchte unser Kollege alle Zigarren auf. Dann forderte er seine Versicherung auf, ihm die Zigarren zu ersetzen. Sie seien durch eine Serie kleiner Feuer vernichtet worden. Natürlich verweigerte die Versicherung die Zahlung. Ihrer Argumentation nach verbrauchte er seine Zigarren bestimmungsgemäß, indem er sie rauchte. Unser Kollege klagte und bekam recht. Das Gericht hielt den Anspruch für berechtigt, da in der Police einwandfrei belegt war, dass die Zigarren “gegen jede Art von Feuer” versichert seien.

Er erhielt 15.000 US Dollar von seiner Versicherung.

Kurz nachdem das Urteil rechtskräftig war, wurde er auf Antrag der Versicherung wegen Brandstiftung verhaftet. In einem Gerichtsverfahren wurde unser Kollege wegen vorsätzlicher Inbrandsetzung seines versicherten Eigentums zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf Bewährung und 24.000 US Dollar Geldstrafe verurteilt.

So geht Storytelling im heutigen Unternehmensalltag. Die obige hat als beste Geschichte des Jahres den Criminal Lawyer Award Contest gewonnen. Lebensnah, humorvoll und mit einem Hauch Moral. Tricksen lohnt sich eben nicht. Auch nicht für Anwälte. Okay, die Geschichte ist nicht wahr. Aber was tut man nicht alles für eine gute Story.