Wer sich wünscht, mal so richtig Zeit für sich zu haben, sollte vorsichtig sein. Es könnte sein, dass dieser Zustand ohne Elektroschocker gar nicht auszuhalten ist.

Zeit ist das knappste Gut unserer Tage und noch sehr viel seltener als ein gut gefülltes Bankkonto. Irgendwas gibt es schließlich immer zu tun. Doch jetzt stelle man sich einmal vor, wir hätten plötzlich Zeit. Könnten tun und lassen was wir wollten. Vielleicht den Roman zu Ende lesen, der schon so lange neben dem Bett liegt, dass er in seiner Gelbfärbung aussieht wie eine Papyrusrolle aus dem 2. Jahrhundert vor Christus. Oder schlicht mal wieder mit den Kindern auf den Spielplatz gehen. Soweit die inzwischen erwachsenen Kinder daran noch Gefallen finden.

Wir könnten natürlich auch einfach mal gar nichts tun. Nur so dasitzen. Allein. Ungestört. Handy aus. Tür zu. Stille. Jetzt haben wir den Zustand, den wir uns viele Male am Tag im Büro so gewünscht haben. Keine Sitzungen, keine Telefonate, keine Berichte. Zeit um nachzudenken. Darüber zum Beispiel, ob es richtig war, das Meerschweinchen des Kindes in die pralle Sonne zu stellen, um auch ihm ein wenig Urlaubsfreude und Mittelmeerfeeling zu spendieren. Und auch darüber, ob die anschließende Atemnot mit nach oben gestreckten Beinen Ausdruck von überbordender Freude war?

Timothy Wilson, von der University of Virginia wollte wissen, wie wir den Zustand des “Nichtstuns” erleben. Dazu hat er die Studienteilnehmer in einen kahlen Raum gesetzt, ihnen Handys, Bücher und alles, was sie sonst noch ablenken hätte können, abgenommen und sie gebeten, ein paar Minuten ihren Gedanken nach zu hängen. Außer denen, die vielleicht auch ein Meerschweinchenparadoxon (Weshalb führt das Mittelmeer zu Atemnot?) zu bearbeiten hatten, fanden alle anderen den Zustand des “Nichtstuns” nervig. Insbesondere beschrieben sie, dass es ihnen nicht möglich war, sich auf einen Gedanken zu konzentrieren.

Wilson bot ihnen darauf hin an, falls ihnen langweilig würde oder es allzu sehr nervte, nur so da zu sitzen, sich mit Hilfe eines Elektroschockers einen kleinen, unangenehmen Stromschlag zu verpassen. Davon machten circa ein Viertel der weiblichen und zwei Drittel der männlichen Teilnehmer Gebrauch. Sie jagten sich mindestens einmal in 15 Minuten eine Stromladung durchs Nervensystem. Frei nach dem Motto, besser Schmerzen, als den ganzen Mist, der sonst so hoch kommt.

Sollte ich mal wieder an Meerschweinchen auf Urlaub denken, dann fass ich kurz in die Steckdose. Geht schnell, ist einfach und laut Wilson wirkungsvoll.