2014 hat der geburtenstärkste Jahrgang der Babyboomer fünfzigsten Geburtstag. Aus einigen wurden Friseurinnen, aus anderen Kfz-Mechaniker und ein paar von ihnen wurden Chefs. Anlass genug, einmal zu schauen, wie sich Sabine und Thomas als Chefs denn so machen.

Das Statistische Bundesamt kennt Sabine und Thomas, so nennt es der Einfachheit halber alle aus dem Jahr 1964, ziemlich gut. Vielleicht wurden 1964 auch alle Babys so genannt. Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind 86% von ihnen noch in Lohn und Brot. Sie verdienen (2010) als Vollzeitbeschäftigte durchschnittlich 3600 € im Monat. Thomas 3800 € und Sabine 3000 €.

Doch nicht alle wurden wie Sabine Friseurin oder wie Thomas Kfz-Mechaniker. Einige wurden Chefs, berühmt oder auch beides. Harpe Kerkeling, Johannes B. Kerner oder Jürgen Klinsmann zeigen wie es geht. Babyboomer sind nicht nur viele, sondern haben auch das meiste Geld. 80% aller Neuwagen werden von ihnen gekauft. Opels können es nicht sein, deren Verkaufszahlen sind seit 1964 rückläufig. Die Tourismusindustrie macht die Hälfte ihres Umsatzes mit Babyboomern. Davon fließen, wie ich vermute, 85% nach Südtirol. Summa summarum geben Babyboomer rund 500 Milliarden Euro pro Jahr aus. Und nicht nur für Nivea oder Rheumadecken. Das ist die Hälfte der gesamten Kaufkraft in Deutschland.

Doch wie das immer so ist. Wenn es einem so richtig gut geht, wartet hinter der nächsten Ecke schon eine Katastrophe. Für Großbritanniens Viehwirtschaft war das der Rinderwahnsinn, für die Babyboomer Chefs ist es die Generation Y. Sie sind das genaue Gegenteil der Babyboomer. Sind wenige, sind jung, haben kein Geld, kein Rheuma, kein Auto und kein Einfamilienhaus. Satt ernsthaft daran zu arbeiten, diese Defizite zu verringern und erst ein paar Mal nach Südtirol zu fahren, haben sie Forderungen. Sie erwarten Transparenz und meinen damit keine sauberen Fenster. Wollen Offenheit, Beteiligung, Dialog und ehrliches Feedback. Kommt das nicht, so eine Studie der Wirtschaftsprüfer von KPMG, dann sind sie so schnell wieder weg, wie sie gekommen sind.

Ich finde das richtig. Wir Babyboomer waren doch auch wild und ungestüm. Haben alles in Frage gestellt. Und das war bei Leibe kein Zucker schlecken. Wir sind damit nicht gerade auf offene Ohren bei unseren Chefs gestoßen. Okay, wir waren viele. Sind über das Land hergefallen wie die Wanderheuschrecken über Afrikas Steppen. Gott sei Dank waren wir so viele, kann ich da nur sagen. Wir haben ja quasi das Land in einem völlig herunter gekommenen Zustand von den Achtundsechzigern übernommen. Überall Zoff und Ärger. Das war ganz schön anstrengend, da wieder Ordnung rein zu bringen. Ist uns aber zum Glück recht gut gelungen. Lob haben wir für diese Renovierungsarbeiten natürlich nicht bekommen und auch nicht erwartet. Wer braucht das schon?

Gallup Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit 2011. 9 von 10 Mitarbeitern haben keine emotionale Bindung an ihr Unternehmen. Dafür verantwortlich ist eine fehlende Lob,- und Anerkennungskultur. Die zu schaffen, ist Aufgabe der Führungskräfte. 50 – bis 60- Jährige beherrschen heute mehrheitlich die Chefetagen. Es sind Babyboomer. Sie müssen sich ändern.