achlassmal

Immer soll man sich ändern. Dauernd auf Neues einstellen. Ja mein Gott, ist das Leben nicht schon so schwierig genug. Von den Anstrengungen, täglich aufzustehen, gar nicht zu reden. Doch Rettung ist in Sicht. Immer mehr Menschen machen nicht mehr mit. Sie sind sogar bereit, dafür Schmerzen in Kauf zu nehmen.

Es ist falsch uns Menschen zu unterstellen, wir wären an Veränderungen so interessiert, wie der Zackenbarsch an einem Ausflug in die Sahara. Wahr hingegen ist, wir lassen alles gern so wie es ist. Never change a running system. Auch bessere Alternativen, die uns einen größeren Vorteil versprechen, lassen uns nicht von diesem Verhalten abrücken. Einmal entschieden, dabei geblieben.

Dennoch sollte niemand glauben, dass wir neuen und besseren Lösungen nicht dann und wann aufgeschlossen gegenüber stehen. Wenn dem nicht so wäre, wo kämen denn sonst wohl die ganzen menschlichen Errungenschaften her? Sie entspringen doch geradezu unserer Fähigkeit, zur rechten Zeit neue Chancen beherzt zu packen und sinnvoll zu nutzen.

Der aufrechte Gang zum Beispiel. Nicht auszudenken vor welchen Problemen wir stehen würden, wenn wir uns entschieden hätten, weiterhin auf allen Vieren durch die Gegend zu hoppeln. Allein der Griff zur Käsetheke im Supermarkt würde zur reinsten Qual ausarten. Vom Fahrrad fahren mal ganz abgesehen.

Doch alles hat seine Grenzen. Einen gemütlichen Sonntag Nachmittag auf dem Sofa mit Cola, Chips und Fernseher gegen stundenlanges Jogging einzutauschen? Bloß, weil bei der letzten Vorsorgeuntersuchung dem Hausarzt, diesem kleinen Klugscheißer, die paar Kilo mehr auf den Hüften gestört haben? Dann soll er halt woanders hingucken. Der Sonntag gehört jedenfalls dem Sofa. Das sind quasi Zwillinge.

Die Wissenschaft nennt unseren Hang, bei einmal gefällten Entscheidungen selbst dann noch zu bleiben, wenn es bessere gibt “status quo bias”.  Weniger charmant ausgedrückt, wir sind einfach zu faul. Um heraus zu finden, wie lange wir diese Art der Entscheidungsfaulheit aufrecht erhalten, hat der Wissenschaftler Gaurav Suri von der Stanford Universität ein Experiment mit 100 Freiwilligen durchgeführt.

Die Probanden erhielten Stromstöße, deren Auftreten sie durch Knopf drücken beeinflussen konnten. Stets wählten die allermeisten Versuchsteilnehmer jene Optionen, bei denen sie am wenigsten tun mussten. Auch, wenn sie dabei eine gewischt kriegten. Menschen sind von Haus aus passiv, so Suri. Deshalb entscheiden sie sich auch gern für die Option, bei der sie nichts tun müssen.

Genau. Von so ein paar Volt würde ich mich auch nicht vom Sofa hoch jagen lassen, Suri!