Vorbild

Fragt man weltweit einflussreiche Manager nach ihren Vorbildern, taucht doch der eine oder andere bekannte Name auf. Allerdings war Nobby Stiles, der alte Haudegen,  nicht dabei.

Wer bist du, Winnetou oder Old Shatterhand? Mit dieser Wahl begannen wir auf dem Schulhof unsere Cowboy und Indianerspiele. Natürlich war ich Winnetou. Er war gut, er war rein und er gehörte zu einer unterdrückten Rasse. Ich wollte sein wie er. Unterdrückt war ich ja schon. Jetzt mußte ich nur noch gut und rein werden.

Im Sport, ich spielte begeistert Fußball, machte ich mich natürlich auch auf die Suche nach Idolen, nach Vorbildern, denen ich nacheifern wollte. Während alle um mich herum Uwe Seeler, Franz Beckenbauer oder Günter Netzer sein wollten, hielt ich es eher mit Nobby Stiles. Den kannte zwar kein Schwein, das machte aber nichts. Dadurch waren er und ich umso interessanter. Nobby Stiles spielte bei Manchester United. Er war klein, hatte bis auf die Schneidezähne schon alle anderen eingebüßt und spielte nach der Devise “zuerst den Mann, dann den Ball”. Er war wie ich. Mit dem Unterschied, dass ich noch alle Zähne hatte und er gut Fußball spielte. Mir die Zähne auszuschlagen, um mit meinem Idol zu verschmelzen, gab ich nach den ersten Schlägen mit dem Kochlöffel gegen meine Zähne allerdings wieder auf.

Und jetzt stieß ich auf eine interessante Umfrage. Die Wirtschaftsprüfer von PwC befragten 1468 Manager in 68 Ländern nach ihren Vorbildern. Über einige Namen war ich erstaunt, andere hatte ich erwartet. Doch einen suchte ich vergeblich. Nobby Stiles, der Terrier aus Manchester, der auch dann noch an der Wade seines Gegenspielers hing, wenn dieser schon längst wieder Zuhause war und sein Bier trank. Das nenne ich bedingungslosen Einsatz für die Sache und müsste doch den Managern gefallen.

Es ist klar, dass Napoleon auf der Liste steht. Er ist auf Platz 10. Der hat wenigstens die Größe von Nobby Stiles. Natürlich, Bill Clinton (9) und John. F. Kennedy (8) sind auch an Bord. Ob das wegen Monica Lewinsky und Marilyn Monroe ist, keine Ahnung. Platz 8 belegt der Cowboy Reagan und 7 hat die eiserne Lady Thatcher eingenommen. Auf Platz 6 folgt mit Abraham Lincoln ein weiterer Politiker, ehe dann auf Platz 5 mit Jack Welch der erste Wirtschaftsführer kommt. Er ist übrigens das einzige noch lebende Vorbild dieser Aufzählung. Dann folgen Mandela (4) Gandhi (3) und Steve Jobs auf Platz 2. Der Chef im Ring, den die Manager am liebsten als Vorbild sehen, ist ein alter Engländer, Winston Churchill. Ob er wegen seiner Abneigung gegen jede Form von Bewegung (No Sports) so gern  als Vorbild genommen wird, auch das bleibt Spekulation.

Aber mit Churchill könnte ich mich dennoch anfreunden. Er ist Engländer und brachte einen rabenschwarzen Humor mit. So fiel eine Adlige während eines Essens mit der Bemerkung über ihn her: „Wenn ich Ihre Frau wäre, würde ich Ihnen Gift in den Kaffee schütten.“ Darauf soll Churchill gesagt haben: „Wenn ich Ihr Mann wäre, würde ich ihn trinken.“ Wundervoll. Hätte er doch nur zu Lebzeiten seine Zähne verloren und wenigstens ab und an mal Fußball gespielt, er wäre mein Mann gewesen. So aber muss ich doch bei Nobby bleiben. Dem ehrlichen Beißer.