holland

Wer sich schon immer gefragt hat, weshalb jeder zweite Wohnwagen auf europäischen Campingplätzen ein holländisches Kennzeichen trägt, hat jetzt Klarheit. Es liegt an den Managern.

Ich bin begeisterter Camper. Nichts geht über einen grundehrlichen und soliden Urlaub mit Zelt und Schlafsack. Während sich die allermeisten Hotels sichtlich Mühe geben, ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, wetteifern die Campingplatzbetreiber darin, ihren Gästen das Ursprüngliche, das Natürliche, man kann sagen, das unverfälschte Leben wie wir Großstädter es ja schon fast nicht mehr kennen, nahe zu bringen.

So hat z.B. nicht jeder Campingplatz einen eigenen, eiskalten, mit Quellwasser aus den Höhenlagen des Himalaja gespeisten Fluss auf seinem Gelände. Denn das wäre die natürlichste Art sich den Staub und die Reste der Nacht aus dem Gesicht zu waschen. Doch diesen kleinen Nachteil gleichen sie geschickt aus, indem sie die Warmwasserphasen der Duschen auf zwei Minuten in der Früh begrenzen. Anschließend steht für alle der Genuss, klaren, kalten Leitungswassers auf dem Tagesplan. Herrlich.

Bisher dachte ich immer, dass das auch der Grund sei, warum nahezu jeder Wohnwagen, der auf den europäischen Campingplätzen steht, aus Holland kommt. Die haben keine hohen Berge, haben also kein klares Quellwasser, deshalb leben sie vornehmlich auf Campingplätzen. Doch das ist falsch. Die Holländer haben einfach mehr Zeit. Ganz besonders die Manager.

Und wie machen die das? Sie teilen sich ihre Jobs mit anderen. Laut einer Studie der Wissenschaftler Lena Hipp und Stefan Stuth vom Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin arbeiten in Holland 12% der Führungskräfte in Teilzeit. Damit sind sie in Europa Spitzenreiter. Die Slowakei steht mit 2% am Ende und Deutschland mit 5% in der Mitte aller 19 untersuchten Länder. Die Erklärung scheint ebenso einfach wie nachvollziehbar. In Ländern, in denen es ohnehin einen hohen Anteil an Teilzeitarbeit gibt, ist der Anteil der Teilzeit-Führungskräfte ebenfalls hoch.

Jetzt ist mir auch klar, weshalb die Engländer ihre Pubs so früh schließen können. Mit 8% Teilzeitarbeit der Führungskräfte sind sie in Europa auch ganz vorne dabei. Die können schon nachmittags ins Pub gehen und in aller Ruhe der “Last Ordner” entgegen trinken. Das beste wird sein, ich suche mir im Sommer einen Job in Holland und im Winter geht`s ab nach England.