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Deutschland, sagt man, ist eine Servicewüste und Kundenfreundlichkeit so verbreitet wie Schnee in der Sahara. Doch das stimmt nicht. Hier wird sich gekümmert, auch wenn der Kunde das gar nicht will.

Der Deutsche Kundenmonitor listet jedes Jahr auf, welche Branchen besonders kundenfreundlich sind. Dazu werden etwa 36.000 Leute gefragt, wie zufrieden sie mit ihrem hauptsächlich genutzten Anbieter waren. Und auch 2012 ging die Zufriedenheit nach oben. Ganz oben in der Kundengunst stehen Buchclubs, ganz unten Fondsgesellschaften. Parfümerien liegen in der Mitte. Und da hab ich doch so meine Zweifel, wie seriös die Ergebnisse sind. Denn meiner Meinung nach gehören die Parfümerien, noch vor den Buchclubs, ganz nach oben.

Samstag Nachmittag. Die Bremer Innenstadt ruft und alle kommen. Ich auch. Es ist Völkerwanderung. Allerdings gibt es kein ausgemachtes Ziel. Jeder läuft wohin er will. Das war früher besser. Der Römer wusste schließlich, wohin er vor den Germanen weglaufen musste. Aber gut, in der Innenstadt muss man auch nicht damit rechnen, von einem wild gewordenen Germanen abgeschlachtet zu werden. Wobei, die Wilden aus Syke, Delmenhorst und Achim….. Aber gut, das ist eine andere Geschichte.

Geschmeidig wie eine Kreuzotter in der Sonne, schlängele ich mich durch die Massen. Mein Ziel, die Parfümerie von Karstadt. Neues Aftershave muss her. Und es muss schnell gehen. Nicht etwa weil ich keine Zeit habe. Es muss schnell gehen, um den Beauty Beraterinnen zu entgehen. Diese, mit allem was der Kosmetikmarkt hergibt, behandelten, faltenlos schönen Wesen. Die in jedem Mann einen Wilden sehen, den es zu zähmen und ins Reich der kosmetischen Glückseligkeit zu führen gilt.

Ohne meine Schritte zu verlangsamen, griff ich mir aus dem Regal, ein Ladendieb hätte es nicht eleganter machen können, das gewünschte Afershave und ab zur Kasse. Die Frau, die uns Kunden das Geld abnahm war ein Ausbund an Freundlichkeit. Jede Kundin vor mir wurde aufs Herzlichste angelächelt. Begleitet von einem kurzen Satz der Anerkennung, dass dies Produkt eine gute Wahl sei und sie es selbst benutze. Alles ging dieser Perfektionistin in Sachen Service und Freundlichkeit locker und zügig von der Hand.

Nachdem sie mir den Betrag genannt und ich ihr meine Kreditkarte überreicht hatte, sagte sie zu mir: “Möchten sie noch eine Duschlotion?” Noch benommen vom Preis des Aftershaves, für den ich einen guten Gebrauchtwagen bekommen hätte, reagierte ich prompt. “Nein, danke, das möchte ich nicht.” Die Lotion, die sie mir einpacken wollte, war nämlich kein kleines Probefläschchen, sondern eine ausgewachsenen reelle Flasche. Sah irgendwie teuer aus. Und zu meinem Gebrauchtwagen wollte ich nicht auch noch den Gegenwert für einen Jahresurlaub in der Karibik hinblättern.

Nachdem ich meinen Verzicht erklärt hatte, sagte sie mit einem reizenden Lächeln: “Wunderbar, dann lege ich ihnen das mit in die Tüte. Es wird ihnen sicher gefallen.

Das ist großartige Kundenorientierung. Gib den Leuten, was sie wollen und wenn sie es nicht wollen, gib es ihnen trotzdem.