elefant

Dinge erledigen, die erledigt werden sollten und sie dennoch nicht erledigen, das ist die hohe Kunst den inneren Schweinehund zu reiten. Doch damit ist jetzt Schluss. Ich sattel auf Elefanten um.

Wer hat ihn gefunden? Bei Ötzi, der Gletscherleiche ist die Sache klar. Es waren Erika und Helmut Simon aus Nürnberg. Dazu meinen herzlichen Glückwunsch. Doch wer hat den inneren Schweinhund gefunden und vor allem wo? Allerdings dürfte das nicht ganz so schwer gewesen sein, wie den Ötzi im unwegsamen Gebirge aufzuspüren. So eine Mischung aus Hund und Schwein ist ja nicht klein. Selbst wenn man einmal eine Kreuzung aus Dackel und vietnamesischem Hängebauchschwein her nimmt, beides eher kleine Vertreter ihrer Gattung, so müsste er doch gut sichtbar sein. Auch wenn er versucht, sich hinter der Milz oder der Lunge zu verbergen. Ganz zu schweigen davon, wenn der innere Schweinehund es sich in unserem Kopf gemütlich machen sollte.

Nun habe ich die Erfahrung gemacht, dass innere Schweinehunde über eine, in der Wissenschaft noch nicht ausführlich untersuchte Fähigkeit verfügen. Sie sind multiple Persönlichkeiten und können ganz unterschiedliche Gestalt annehmen. So hat mein Schweinehund vor einigen Jahren die Form einer 20 Zentimeter langen Lücke angenommen. Ein Nichts also. Aber ein Nichts mit Wirkung.

Nachdem ich, wie gesagt vor einigen vielen Jahren, die Wohnung renoviert, gestrichen und tapeziert hatte, fehlten nur noch die oberen Abschlussleisten für die Tapeten. Also, grob die benötigten Meter gemessen und ab in den Baumarkt, Leisten kaufen. Gesagt, getan. Zuhause fügte sich alles zum Besten. Die Leisten saßen, sahen, dem damaligen Geschmack entsprechend, gut aus und die Renovierung war abgeschlossen. Fast. In der linken Ecke, neben dem Fenster, fehlten 20 Zentimeter Leiste. Kein Problem, die würde ich die nächsten Tage holen. Aus Tagen wurden Wochen, aus Wochen Monate und aus Monaten Jahre.

Das wäre an sich kein Problem gewesen, wenn diese Lücke nicht unablässig mit mir gesprochen hätte. “Na Schröder, du alte Lusche, wann willste denn mal fertig werden” oder gern auch “Das ist ja nicht das erste Mal, dass du Sachen nicht hinkriegst” und wenn die Lücke mal wieder richtig auf Krawall aus war, auch” Du hast noch nie etwas in deinem Leben richtig gemacht”. Da beschloss ich zu handeln. Man kann sich schließlich nicht alles bieten lassen. Der Hausverkauf ging dann ganz schnell.

Einen anderen Weg gehen die Wissenschaftler Chip und Dan Heath. Sie sind Spezialisten in der Bewältigung von schwerfälligem, verkrustetem und eingefahrenem Verhalten. Die Heath-Brothers, also die Blues-Brothers der Veränderung, raten dazu aus dem inneren Schweinhund einen Elefanten zu machen. Sich drauf zu setzen und ihn zu reiten. Und zwar mit drei Anweisungen:

1. Sag dem Elefanten genau, was er tun soll.
2. Kontrolliere genau, was er tut.
3. Belohne ihn, wenn er was richtig gemacht hat.

Mir hat das gefallen. Elefanten sind groß, majestätisch, gelassen und gutmütig. Daher sind sie kleinen missglückten Mischungen aus Schwein und Hund – wenn man diese reitet, schleifen zudem noch die Füße auf der Erde – allemal vorzuziehen. Und falls ein Elefant nicht macht, was er soll, na ja, dann ist das eben so. Kann man nichts machen. Er ist eben stärker. Das wird doch jeder verstehen. Und diese kleine Lücke…