qr

Bus fahren, mit einem auf dem Handy gespeicherten Ticket, ist der ultimative Weg ein ganz herzliches Verhältnis mit Busfahrern aufzubauen. Zumindest in Hamburg.

Von Karl Lagerfeld stammt angeblich der Spruch, „Hamburg ist das Tor zur Welt, aber eben nur das Tor“. Das ist natürlich gemein, Hamburg ist eine Welt,- und Millionenstadt. Und wie ich finde, eine ausgesprochen liebenswerte Stadt, in der ich selbst einige Jahre gelebt habe. Die Hamburger sind zwar hanseatisch zurückhaltend, einige sagen spröde, aber durchaus warmherzig und verständnisvoll. Und an einen solchen Hanseaten, seines Zeichen Busfahrer bei den städtischen Verkehrsbetrieben, bin ich vor einigen Tagen geraten.

Jeder der in Hamburg Bus fahren will, muss vorne beim Fahrer sein Ticket vorzeigen. Also reihe ich mich in die Schlange der Einsteigenden ein und als ich an der Reihe bin, halte ich dem Fahrer mein Smartphone hin. Sein Blick wandert über den Rand seiner verspiegelten Pilotenbrille, erst zum Smartphone, dann in mein Gesicht und wieder zum Smartphone zurück. Zeitgleich, nahezu in einer atemberaubend geschmeidigen Bewegung streicht er mit Daumen und Zeigefinger  seinen Oberlippenbart glatt und dreht seinen Oberkörper seitlich in meine Richtung um sich dann ganz entspannt in seinen Fahrersitz zurück zu lehnen um mich zu begutachten.

Es ist Hauptverkehrszeit, die Fahrgäste haben es eilig und drängen sich, während der Fahrer mich von oben bis unten mustert, an mir vorbei in den Bus. Mein Busfahrer, ich darf das so sagen, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich schon eine gewisse Vertrautheit zwischen uns entwickelt, lässt sich von der entstehenden Hektik keinesfalls anstecken. Vermutlich Ausdruck intensiver Schulungen, wie man in kritischen Situationen angemessen und ruhig reagiert, damit die Fahrgäste nicht in Panik verfallen. Allerdings weckte das bei einigen Fahrgästen durchaus Interesse. Es winkt eine unterhaltsame Abwechselung ihres täglichen Einerleis.

Was ist das fragte mein Busfahrer mich? Das ist meine Fahrkarte. Sieht mir aber eher wie ein Handy aus. Ist es auch, aber darauf ist meine Fahrkarte. Wir waren nun in einem wundervollen Dialog angekommen. Ich sehe keine Fahrkarte, ich sehe nur eine Quadrat mit wilden Zeichen. Während er das sagte, zeigte er auf das Display meines Smartphones. Genau, das ist ein QR-Code entgegnete ich munter, in der Hoffnung nun alle Probleme beseitigt zu haben. Doch seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, hatte ich gerade den Status eines halbwegs ernst zu nehmenden Menschen verspielt und war in die Kategorie „Irrer im Anzug“ gerutscht.

Und wie das mit Irren so ist, man darf sie nicht reizen. Vermutlich auch eine Verhaltensregel aus dem Handbuch für Busfahrer. Also sagte er mit einem Lächeln auf den Lippen: „Sie sind ein netter Kerl und ich nehm sie gerne mit. Geben sie mir einfach 2,60 € und sie können ihren QR-Code solange spazieren fahren wie sie wollen.

Ich fand das Angebot als Alternative zu einem langen Fußmarsch durchaus verlockend und hab es gern angenommen. Hamburg, ich liebe diese Stadt und ihre Menschen.