futur

Bisher dachte ich, Sprache dient der Verständigung. Nun weiß ich, sie ist auch dafür verantwortlich, ob wir mehr oder weniger Geld auf der hohen Kante haben. Hätte ich das früher gewusst, ich wäre nicht zur Fischfabrik gefahren.

Als hybrider Konsument, das sind Leute, die für eine Ersparnis von 50 Cent hunderte Kilometer fahren, aber gleichzeitig für einen überteuerten Kaffee bei Starbucks 3,40 € auf den Tresen werfen, also für einen hybriden Konsumenten wie mich, war die Aussicht einfach zu verlockend, wieder einmal ein paar Euro zu sparen.

Natürlich hätte ich den Fisch, den ich für ein Essen brauchte, auch bequem beim Händler auf unserem Wochenmarkt kaufen können und hätte es bestimmt auch getan, wenn ich nicht im Internet auf die Anzeige “Werksverkauf – absolut frisch und preiswert” gestoßen wäre. Also setzte ich mich ins Auto und fuhr die dreißig Kilometer zur Fischfabrik. Die “Fabrik” entpuppte sich als Verkaufsraum in der Halle eines ehemaligen Entsorgungsunternehmens. Fisch und Müll. Wunderbar, ich liebe diese neuen Formen der Kooperation.

“Moin, ich habe 16 Saibling-Filets bestellt”. Mit dieser schwungvoll hingehauenen Begrüßung betrat ich den Verkaufsraum. Ich vermute, dass tote Fische nicht die Angewohnheit haben, viel zu reden. Anders ist nicht zu erklären, weshalb mich der Mann hinter dem fünfziger Jahre Kühltresen nur stumm ansah und keinen Laut von sich gab. Vielleicht ist das Ausnehmen von Fischen eher ein stiller Job und Worte sind da störend. Wer weiß, jedenfalls kehrte nach einiger Zeit Leben in sein Sprachzentrum zurück. Mit einem kurzen, aber deutlichen “Ja” trat er in unseren Dialog ein. “Sind sie fertig?” fragte ich mit neugierigem Ton in der Stimme. “Nein.” Wie einfach das Leben doch ist, wenn man sich aufs Wesentliche konzentriert und jeden Schnick-Schnack weglässt.

Nach einigem Hin und Herr hatten wir uns darauf verständigt, dass ich draußen warte, während er den Fisch filetieren würde. Nach dreißig Minuten ging ich wieder rein. Im kleinen Verkaufsraum befanden sich jetzt noch weitere Kunden. Mit der gleichen sprachlichen Zurückhaltung, die er schon mir entgegen gebracht hatte, bediente er nun diese. Ohne sich weiter von meiner Anwesenheit irritieren zu lassen. Nun waren weitere 10 Minuten ins Land gegangen und ich machte einen erneuten Vorstoß. “Sind meine Filets fertig?” “Ja”, sagte er jetzt mit deutlich freundlicher Betonung in der Stimme. “Dann könnten sie sie mir ja jetzt geben” bot ich darauf an. “Ja, das könnte ich, aber ich dachte sie wollen sich noch ein bisschen umgucken.”

Sparen ist nicht immer leicht, doch es lohnt sich. Und wer darüber hinaus auch noch die richtige Sprache spricht, der spart nicht nur besser, sondern auch mehr. Der Wissenschaftler Keith Chen von der Yale Universität hat herausgefunden, dass Menschen, die eine Sprache sprechen in der eine grammatikalische Unterscheidung zwischen Präsens und Futur nicht zwingend erforderlich ist, wie z.B. in der deutschen Sprache, diese Menschen sparen weit besser und vor allem mehr als andere. Und zwar bis zu 25% mehr. Gilt das eigentlich auch für Leute, die wenig reden Mr. Chen? Doch das kläre ich mit meinem Fischfreund bei nächster Gelegenheit.