irrtum

Wie wir die Welt sehen und was wir wahrnehmen, bestimmen wir selbst. Davon war ich absolut überzeugt. Bis eine Ruine in mein Leben trat. 

Es war ein wunderbarer Fest und ich mit mir so richtig im Reinen. Dazu trug ganz wesentlich mein zunehmendes Fremdsprachenverständnis bei. Nach nur drei Stunden erriet ich von dem, was die Gäste zu mir sagten, schon jedes vierte Wort. Eine Leistung, die nicht unterschätzt werden darf, schließlich war ich in Niederbayern. Und damit in einem Sprachraum, der sich nicht wesentlich von dem in Papua Neuguinea unterscheidet.

Egal. Ich fand es toll. Und erst die Lage des Restaurants. Direkt oberhalb des Flusses mit herrlichem Blick auf die nächtlich erleuchteten Häuser und Straßen der anderen Uferseite. Traumhaft, anders kann ich das nicht nennen. Und als Krönung des Ganzen liegt dort, in einem Wäldchen halb verborgen, eine alte Burgruine. Wunderbar angestrahlt. Natürlich, die Stadt Passau weiß ihre Juwelen auch des Nachts natürlich ins rechte Licht zu rücken. Spontan beschließe ich, gleich morgen dorthin einen Spaziergang zu machen.

In Gedanken sehe ich bereits den wundervollen kleinen Weg vor mir. Wie er sich den Berg hinauf schlängelt, kleine Aussichtsplätze bereit hält, um von dort einen herrlichen Blick auf die Stadt zu erhalten. Und natürlich ist in der Ruine ein nettes kleines Cafe. Dort werde ich bei selbst gebackenem Kuchen den Tag genießen.

Während der morgige Tag bereits seine volle Pracht in meinem Gehirn entfaltet, spricht mich meine Frau an:
“Na, schöner Ausblick nicht?” Ja, antworte ich voller verträumter Begeisterung. „Besonders die alte Ruine dort oben, die ist großartig. Du kennst dich hier doch aus, wie heißt denn das Schloss dort oben?” frage ich meine Frau, ohne den Blick von der erleuchteten Ruine zu lassen.

“Welches Schloss meinst du” fragt sie zurück. Ich bin ein wenig erstaunt, sie ist in Passau geboren und müsste es doch eigentlich wissen. “Na, das hell erleuchtete Ding dort oben zwischen den Bäumen” erwiderte ich. Eigentlich bin ich nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen. Aber die Begriffsstutzigkeit meiner Ehefrau beginnt schwerwiegende Entwicklungen auf meinen Blutdruck auszuüben. Sie schaut mich nun direkt an. Wie ein Polizist, der einen Volltrunkenen, nachdem dieser beteuert hat, keinen Tropfen getrunken zu haben, eben so ansieht und sagt: “Das mein Lieber, ist der Mond.”
Okay, dann lass ich das mit dem Spaziergang eben bleiben. Ist vielleicht doch ein bisschen zu weit.

 

Wen`s interessiert. Die beiden Wissenschaftler Daniel Simmons und Christopher Chabris haben vor einiger Zeit ein Video gedreht. Darin werfen sich zwei Mannschaften, die eine mit weißen, die anderen mit schwarzen T-Shirts bekleidet, Basketbälle zu. Dieses Video zeigten sie Studenten mit der Aufforderung, die Anzahl der Würfe der weißen Mannschaft zu zählen und die schwarze außer acht zu lassen. Nach einiger Zeit läuft ein Gorilla durchs Bild. Das bemerken lediglich die Hälfte der Studenten. Die andere Hälfte sieht ihn einfach nicht. Da kann ich ja wohl auch mal einen Mond übersehen.