glausmir

Wäre es nur das Internet, okay, das könnte ich noch verkraften. Aber Internet plus Smartphone, da hört der Spaß auf. Denn dieses diabolische Paar ist für den Verfall aller guten familiären Sitten verantwortlich. Ein Schadensbericht.

Es versprach ein wundervolles Geburtstagsfest zu werden. Und um es gleich vorweg zu nehmen, es wurde mehr als das, es war der Hammer. Ich teilte den Tisch mit wunderbaren Menschen. Und das Tolle daran war, obwohl wir uns nicht kannten, kam sofort eine Stimmung auf, als wären wir schon seit Jahrzehnten Freunde.

Und wie das unter Feunden so ist, man hat viele Gemeinsamkeiten. Unsere waren die heranwachsenden Kinder und ihr Umgang mit den Smartphones. Eine Mutter faßte den momentanen Sachstand, quasi als gemeinsame Diskussionsgrundlage für uns alle kurz und prägnant zusammen: Wenn man den Umgang mit diesen Dingern, diesen iPhones und Co. nicht konsequent regulieren würde, dann dauere es nicht mehr lange und wir müssten unsere Kinder zum Chirurgen schleppen, um ihnen diese Dinger aus der Hand operieren zu lassen. Ständig würden die Jugendlichen auf diese Dinger schauen. Nicht mal beim Essen würden sie darauf verzichten. Es sei doch ein Wunder, dass bisher noch kein Kind zu Tode gekommen ist, weil es statt der Kartoffel, versehentlich das iPhone verschluckt und daran elendig zugrunde gegangen sei.

Wie klug diese Mutter war. Ich war so sprachlos über ihre treffende Analyse, dass ich völlig vergaß, sie auf ein weiteres, für mich noch sehr viel schwerwiegenderes Problem, aufmerksam zu machen. Und zwar, wie iPhone und Co. familiäre Strukturen zerstören. Diese Dinger zerstören mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit alles, was die Beziehung zwischen Eltern und Kindern so einzigartig macht, nämlich den Glauben und das Vertrauen in die Unfehlbarkeit der Eltern.

Ich habe das gerade am eigenen Leib erfahren. Bei einer gemeinsamen Mahlzeit mit der Familie gebe ich meine gesammelten Reisekenntnisse zum Besten. Erzähle, dass Schiffsreisen vor 100 Jahren beschwerlich, meist auch gefährlich und auf jeden Fall langwierig waren. So dauerte eine Schiffsreise von England nach Neuseeland damals mehr als 8 Monate. Worauf meine Tochter antwortete, dass sie sich das nun so gar nicht vorstellen konnte. So lange hat das nie und nimmer gedauert, schob sie dann noch hinterher. Mit dem Hinweis auf Golfstrom, ungünstige thermische Besonderheiten, tieferen Temperaturen der Weltmeere zur damaligen Zeit und weiteren, sich ihrer Kenntnis entziehenden Umstände, brachte ich meine Tochter zum Schweigen und sicherte mir gleichzeitig wieder die intellektuelle Lufthoheit in der Küche. Es geht eben nichts über gut informierte Eltern, die ihren Kindern das nötige Wissen mit auf ihren Lebensweg geben und um aus ihnen umfassend gebildete Erwachsene machen zu können.

Es waren vor 100 Jahren genau 98 Tage. Heute braucht eine Schiff 28 Tage, Papa. Dabei hielt sie mir ihr iPhone mit dem Wikipedia Eintrag vors Gesicht.

Die Nutzung von Smartphones in meinem Haus ist jetzt verboten. Und darüber hinaus habe ich zur Unterstützung noch den Wissenschaftler Tobias Greitemeyer von der Uni Insbruck. Der hat in einer Studie belegt, dass es viele Menschen gibt, die an ihrer Behauptung festhalten und weiter an sie glauben, obwohl sie wissen, dass sie falsch ist. Meine Schiffe brauchen weiterhin 8 Monate. Und die meiner Tochter nehmen wohl eine verbotene Abkürzung.