waschen

Wer Fehler macht ärgert sich und versucht, es beim nächsten Mal besser zu machen. Oder wäscht sich ganz einfach die Hände.

Grundsätzlich und vorab muss ein für allemal geklärt werden, weshalb einige Menschen schaffen, was anderen auch in Monaten nicht gelingen will. Manche fahren monatelang mit einem Fahrrad ohne dass irgendetwas daran kaputt geht oder abfällt. Dann gibt es andere, die fahren mit demselben Rad ein paar Meter und haben einen Platten. Unser Sohn, er gehört zur Kategorie “Gib mir dein Rad ein paar Minuten und ich mache es platt, gib es mir ein paar Stunden und du kannst es auf dem nächst gelegen Schrottplatz entsorgen” ist einer von ihnen. Und sobald etwas am Rad kaputt ist, ist unser Sohn jedesmal wieder aufs Neue völlig aus dem Häuschen wie das passieren konnte.

“Das muss Materialversagen sein, vermutlich ist die Gummimischung alt.” So sein fachmännisches Urteil. “Aber auf keinen Fall liegt es an mir” schickt er meist noch hinterher. Damit versucht er etwaigen Regressforderungen meinerseits vorzubeugen. Im konkreten Schadensfall einigten wir uns dann auf den Gesicht wahrenden Terminus, das sei halt “höhere Gewalt” und, obwohl er das anbot, einigten wir uns zudem darauf, dass ich die Reparatur machen würde, um weiteren Schaden vom Rad abzuwenden.

Also machte ich mich an die Reparatur. Reifen ausgebaut, Loch im Schlauch gesucht, Flicken drauf und fertig ist die Sache. Jetzt noch schnell aufgepumpt und das Fahrrad ist wieder einsatzbereit. Voller Stolz blickte ich auf mein Werk. Obwohl unser Sohn zwischenzeitlich wieder in seiner Berliner Wohnung angekommen war, musst er in der Nacht nach Bremen zurück gekehrt und erneut mit dem Rad gefahren sein. Anders ist die fehlende Luft im Hinterrad nicht zu erklären. “Das muss Materialversagen sein” hörte ich mich sagen und vorsorglich hinzufügend “auf keinen Fall liegt es an mir”. Ich einigte mich mit mir auf „höhere Gewalt“.

Die erneute Reparatur beginne ich jetzt erst einmal mit ausgiebigem Händewaschen. Kai Kaspar von der Uni Osnabrück hat nämlich herausgefunden, dass Händewaschen Menschen, wenn sie zuvor einen Fehler gemacht oder in einem Test schlecht abgeschnitten haben, optimistischer an einen erneuten Versuch herangehen lässt. Seit ich das weiß, wasche ich mir schon mal vorsorglich, bei allem was ich anfange, ausgiebig die Hände. Man weiß ja nie. Allerdings gibt es da ein Problem. Wer sich die Hände wäscht ist zwar optimistischer, aber nicht besser in dem was er tut. Alles hat seinen Preis.