riechen

Es gibt Menschen die riechen Probleme zehn Meilen gegen Wind. Eine Fähigkeit über die sonst nur noch Trüffelschweine verfügen. Allerdings will diese Fähigkeit nicht nur gelernt sein.

Ich gebe es zu, mit meiner Nase habe ich mich nie wirklich beschäftigt. Wozu auch, sie war ja immer da, tat klaglos ihren Dienst und machte wenig Probleme. Das hat sich vor einiger Zeit grundlegend geändert, nachdem mir ein Kollege von einem beruflichen Probleme berichtete. Mit Händen und Füßen, sagte er mir, völlig außer sich vor Wut: “Die sollen sich bloß nicht einbilden, dass sie mich mit dieser Nummer über den Tisch ziehen können. Diese Schweinerei die da läuft, die rieche ich zehn Meilen gegen den Wind.”

Wow, dachte ich und das alles macht er mit seiner Nase. Gigantisch. Weshalb er allerdings die englischen Meilen nutzte und nicht die deutschen Kilometer konnte ich ebenso wenig herausfinden wie die Voraussetzungen die zu einer Schnüffelleistung diesen Ausmaßes nötig waren. Dennoch, das wollte ich auch können. Eine Gelegenheit es auszuprobieren, sollte bald kommen.

Mein neues Smartphone kam pünktlich. Genau wie es der Paketdienst in seiner Email angekündigt hatte. Jetzt nur noch auspacken, aufladen und das neue Spielzeug ausgiebig testen. Gesagt, getan. Das Ding wanderte ohne großes Federlesen, samt Ladekabel, an die Steckdose. Und dort blieb es volle drei Stunden. Anfänglich machte mich der schwarze Bildschirm ein wenig stutzig. Allerdings hatte ich in vielen Test schon von der unglaublichen Farbintensität dieses Smartphone-Displays gelesen.

Demnach war es in der Lage ein “Schwarz” zu produzieren gegen das schwarze Löcher im Weltall nahezu blass aussehen. Dennoch blieb das Display auch nach mehrmaligem Drücken des Einschaltknopfes schwarz. Ich konnte mich jedoch nicht erinnern in dem Test gelesen zu haben, dass dies schöne, tiefe und satte Schwarz die einzige Farbe war, die das Smartphone hergab.

Nach einer halben Stunde, solange lag mein Daumen nun schon auf dem Einschaltknopf, war ich an dem gleichen Punkt wie mein Kollege. “Das habe ich mir gleich gedacht, du kleines Drecksding”, schleuderte ich dem Smartphone entgegen. “Da kauft man ein Vorjahresmodell und die drehen einem den letzten Schrott an. Dinger von der Resterampe, die sonst keiner mehr will. Ich lass mich doch nicht verarschen. Die wollen mich über den Tisch ziehen, diese Halsabschneider. Das rieche ich doch zehn Meilen gegen den Wind.” Mein Blutdruck hatte Himalajahöhe und wollte nur langsam wieder auf Normalmaß zurück gehen.

Okay, nachdem ich den Akku ins Smartphone eingesetzt habe, wurden auch die anderen Farben sichtbar.

Vielleicht wende ich mich demnächst an Dr. Julia Vendt von der HNO Uniklinik Köln. Die hat in einer Studie nachgewiesen, dass Menschen mit einem großen rechten Nasenloch und einer großen Nasenhöhle wesentlich besser riechen als der Durchschnitt. Julia Vendt kann mir mit einer kleinen Operation bestimmt weiter helfen und meine Trefferquote ein wenig erhöhen.