erbsen

Das mit dem Halbwissen ist so eine Sache. Bisschen wie mit einem Bein Fußball spielen. Treffer sind reinste Glückssache. Daher habe ich mich entschlossen, diesen Zustand jetzt zu beenden. Ich werde Teil der “Quantified Self”-Bewegung.

Das Leben scheint vornehmlich aus Fragen zu bestehen. Meine Krankenkasse möchte wissen, wann sie den Einkommensteuerbescheid erhält. Meine Zahnärztin, wann ich die letzte professionelle Zahnreinigung hatte und der Steuerberater, wann unser Sohn sein Studium abgeschlossen hat. Ja mein Gott, bin ich Jesus, kann ich hellsehen? Sehe ich etwa aus wie eine Exceltabelle? WOHER SOLL ICH DENN DAS WISSEN?

Vermutlich waren die Leute, die die Quantified Self-Bewegung ins Leben gerufen haben, auch derart impertinenten Fragen ausgeliefert. Denn sie haben ein Gegengift entwickelt. Fragen entschärft man mit genauen Antworten. Natürlich nicht solchen, wie ich sie immer gerne gebe. Bei mir handelt es sich meist um “Näherungsantworten”. Sie sind mehr oder weniger nah an der Wahrheit. “Wann bin ich geboren, Papa?” Zwischen deiner älteren und deiner jüngeren Schwester.

Die „Quantified Self„-Leute halten genau fest, wann sie etwas tun, wie lange sie es tun und was es bringt. Ihr Ziel ist es, Daten, Fakten und Zahlen über sich selbst zu sammeln, um besser zu werden. Selbstoptimierung, sie nennen es allerdings Selbsterkenntnis durch Zahlen. Da wird z.B. die Anzahl der täglichen Schritte per Smartphone gezählt, um festzustellen, ob die Tagesration an Bewegung erbracht wurde. Die Harten unter ihnen haben ihr Smartphone so programmiert, dass es bei zu wenig Bewegung den Kühlschrank ausschaltet. Keine Bewegung, kein bzw. vergammeltes Essen.

Das ist wirklich toll, wenn ich endlich alles über mich weiß. Sollte unsere Tochter dann mal wieder nach ihrem Geburtsdatum fragen, antworte ich voller Stolz und Selbstbewusstsein: “Keine Ahnung, aber willst du meine Blutfettwerte wissen?