dunkelland

Begeisterung wird erst richtig schön, wenn man sie mit anderen teilen kann. Aber was macht man bloß, wenn die ihren Teil nicht haben wollen? Ganz einfach, man stimuliert ihr TPJ.

Vor einigen Tagen klingelte es an unserer Haustür. Davor stand mein Nachbar. “Rolf, ich wollt dich wohl gern mal einladen.” Das sind Worte die einem alten Dithmarscher wie mir samtweich runter gehen. Sie stehen für Geld Zuhause lassen und das teuerste auf der Speisekarte bestellen. Kurz, sie sind der Inbegriff vorbildlichen Nachbarschaftlichen Engagement. Meine Antwort kam daher ebenso promt wie begeistert. “Klar, doch. Wann und wohin.” Mein Nachbar wollte mit mir in ein Jazzkonzert. Eines mit dem großartigen Jazz Pianisten Keith Jarrett. Und das hier in Bremen. Ich war begeistert.

Okay, Keith Jarrett war an diesem Freitag gerade zwischen Rotterdam und Venedig unterwegs und konnte nicht selbst in Bremen sein. Aber das Klavier war da. Damit Jarretts Abwesenheit nicht so störte, haben sie das Licht im Sendesaal ausgeschaltet und man konnte die Hand buchstäblich nicht vor Augen sehen. Nur hören war angesagt. Und zwar nicht irgendetwas, sondern den Mitschnitt des Jarrett Konzertes vor 40 Jahren in Bremen. Bekannt und legendär in der Jazz Szene als Solo Concerts Bremen/Lausanne.

Diesen wundervollen Abend wollte ich mit unserer Tochter teilen. Ihr erzählen wie schön es ist, wie intensiv es sich anfühlt in völliger Dunkelheit dieser Musik zu lauschen. Es entspann sich folgender Dialog:

Tochter: Und, du warst gestern in einem Konzert?
Ich: Ja. Es war toll.
T: Was gab`s?
I: Keith Jarrett. Das ist ein Jazz Pianist.
T: Auch schön.
I: Der Saal war völlig dunkel. Wir konnten die Hand vor Augen nicht sehen.
T: Dann konntest du den, wie hieß er noch mal…gar nicht sehen?
I: Nein.
T: Auch nicht wie er auf die Bühne kam?
I: Nein, denn Keith Jarrett war gar nicht da.
T: Was? Oh Gott wie gruselig. Und wer hat die Musik gemacht?
I: Die kam vom Band.
T: Du zahlst viel Geld um im Dunkeln zu sitzen und Musik von einem Künstler zu hören der gar nicht da ist.
T: Papa, das ist krank.

Ich machte dann erst einmal Kaffee. Gewalt ist schließlich keine Lösung und Jugendämter sind bei diesem Thema auch eigen.

Nun werde ich mich dann doch noch mal mit Matthew Lieberman von der Universität of California beraten, wie ich meine Begeisterung noch besser rüber bringen kann. Liebermann und seine Forscherfreunde müssten es nämlich wissen. Sie haben im Gehirn die temporale Übergangsregion (TPJ) entdeckt. Wenn wir von etwas besonders begeistert sind, dann ist in dieser Region der Teufel los. Was zur Folge hat, dass wir Gott und der Welt von unserer Begeisterung erzählen wollen. Jetzt ist nur noch die Frage zu klären, wie ich ohne große OP-Vorbereitung und mit einfachstem Instrumentarium, Stricknadeln etc., ins Gehirn unserer Tochter komme, um der Region ein bisschen Feuer zu geben.