faust

Passwörter sind wie Türsteher, keiner mag sie, doch ohne sie geht`s auch nicht. Und wer sie vergisst hat ein Problem. Besonders an Tankstellen. Es sei denn, man nutzt die Faust.

Mir kann niemand vorwerfen ich wäre nicht folgsam. In mehr oder weniger jedem Ratgeber zum Thema Passwörter steht: “Nimm kein einfaches und vor allem nimm nicht immer dasselbe Passwort.” Und daran halte ich mich sklavisch. Jetzt habe ich drei DIN A 4 Seiten voller Passwörter. Alle schön mit einem Generalpasswort von bandwurmartiger Länge gesichert. Mir kann nichts passieren.

Allerdings sind Tankstellen darauf noch nicht richtig eingestellt, auf die absolute Sicherheit meiner Passwörter. So fahre ich vor einiger Zeit auf eine Tankstelle um zu tanken. Randvoll, wie immer. Dann Scheiben putzen. Alles muss seine Ordnung haben. Zum Schluss ab an die Kasse. Es ist viel los. Feierabendverkehr. “Säule Nummer vier, mit Karte”, sage ich bestimmt. Ich habe mir angewöhnt genau zu sagen wer ich bin, was ich will und wie ich es will. Geht schneller und spart viel Zeit. “Okay, sie können jetzt ihre Karte reinstecken.” Die Mitarbeiterin der Tankstelle ist präzise und schnell. Sie sieht den Kundenandrang und möchte möglichst zügig alle abfertigen. “Bitte geben sie jetzt ihre Geheimnummer ein”.

Ebenso gut hätte sie sagen können, bitte setzen sie ihrem Leben auf der Stelle ein Ende, es hätte den gleichen Effekt. Geheimnummer, die hab ich jahrelang schon nicht mehr beim tanken angeben müssen, ging mir im Kopf rum. Es reichte doch immer meine Unterschrift. “Die kenne ich nicht” antwortete ich wahrheitsgemäß. Schlagartig hob die Mitarbeiterin ihren Kopf und schaute mich stumm an. In ihrem Gesicht lag ein Ausdruck von “Was hat der Typ gesagt, er hat eine Bombe in seiner Tasche?” Doch statt sich sofort auf mich zu stürzen und an die Zapfsäule zu fesseln lächelte sie mich an und sagte: “ Das kenne ich, passiert mir auch laufend mit geklauten Kreditkarten.” Wir zwei wurden auf der Stelle Freunde.

Jetzt bin ich dabei meine ganzen PIN, Codes und Passwörter auswendig zu lernen. Nicht ganz einfach aber mit der “Balle deine Faust” Methode geht es ganz gut. Die Wissenschaftlerin Ruth Propper und Ihre Kollegen von der Montclair State University in New Jersey haben herausgefunden, das wir Fakten besser lernen wenn wir die rechte Faust dabei ballen. Hat was mit dem Gehirnareal zu tun, das durch das Ballen der Faust stimuliert wird. Zum Abrufen des Gelernten sollen wir die linke Faust ballen, denn die stimuliert den Bereich der für`s Erinnern zuständig ist.

Ob es funktioniert kann ich noch nicht sagen, aber die Resonanz im Cafe ist überwältigend. Die Leute schauen mich an, als bereite ich mich auf`s melken vor. Die sehen in mir den Dithmarscher Bauern. Ist halt so, seine Herkunft kann man nicht leugnen.