dritteWeg

Die Welt wird nicht besser wenn immer alle am alten Weg des unversöhnlichen entweder oder festhalten. Das bringt doch nichts. Denn es geht auch anders, ganz besonders wenn es um Schuhe und Handtaschen geht.

Männer sind Schweine singen die Ärzte. Na ja, ganz so drastisch würde ich es vielleicht nicht ausdrücken. Es gibt eben solche und solche. Zum Beispiel solche die aufmerksam durchs Leben gehen und jede Veränderung mitkriegen. Denen zum Beispiel sofort auffällt wenn die Gattin sich eine neue Bluse gekauft hat. Und das auch mit den süßesten Worten, seit Romeo seine Julia vom Balkon locken wollte, zum Ausdruck bringen. “Die steht dir aber gut Schatz, diese Farbe, dieser Schnitt, und wie weich sie deinen Körper umspielt, wie für dich gemacht”. Und dann gibt es die Sorte Männer, die ebenfalls aufmerksam durchs Leben gehen. Und denen die Blusen ihren Frau auch sehr am Herzen hängen, wenn sie sie denn bloß als neu erkennen würden. Zu denen gehöre ich. Und das will ich ändern.

Also versuche ich zu lernen. Und wo macht man das am besten. Man schaut sich an wie es die Könner machen. Denen das quasi in den Genen zu liegen scheint. Vorgenommen hatte ich mir, beim Kellner der italienischen Kaffeebar in die Lehre zu gehen. Der Kerl ist ein As was das betrifft und so geschmeidig, der kommt durch eine Tür ohne sie zu öffnen. Doch wie das oft so ist, das Gute liegt doch so nah, dass man es meist nicht sieht. Und mein Gutes traf ich in unserer Küche.

Während ich vor einiger Zeit mit unserem erwachsenen Sohn in der Küche beim Kaffee saß, kam meine Frau zur Tür herein. “Hallo, ich bin wieder da”, rief sie freudig in unsere kleine Kaffeerunde. Dabei drehte sie sich kurz um die eigene Achse und ließ ihre Haar herumwirbeln. “Ach schön, dass du wieder da bist” sagte ich und freute mich darüber, dass sie so gut gelaunt war und sich bewegte als wäre sie auf dem Wiener Opernball. Ich sollte gleich merken, welcher Opernball gerade lief. Denn nun kam unser Sohn.

“Wow, du siehst aber gut aus”. Während er diesen Satz raushaute als gebe es kein Morgen mehr, sprang er vom Tisch auf und eilte zu meiner Frau. “Dieser Schnitt, diese Farbe, so frisch so. Das steht dir großartig”. Während ich schon im Begriff war einen Schleimbeutel aus der Küchenschublade zu ziehen und ihm hinterher zu werfen, macht er bereits weiter. “Das war bestimmt ganz schön teuer, doch was soll ich sagen, für dich ist das Beste gerade gut genug.” Meine Frau hatte zu diesem Zeitpunkt bereits einen anderen Aggregatzustand angenommen, sie war dahin geschmolzen wie ein Paket Butter in der Sonne.

So geht das nicht. Wer läßt sich schon von seinem eigenen Sohn schlagen? Also blies ich zur Attacke. “Dazu würde doch ein neues Paar Schuhe oder eine neue Handtasche ganz gut passen” versuchte ich die Sache für mich wieder auf die Gewinnerstrasse zurück zu führen. “Na ja, entgegente sie, das würde es schon. Aber sollten wir uns nicht von den ewigen Gegensätzen zwischen entweder oder verabschieden? Das bringt doch nichts. Ich kenne da einen besseren, einen dritten Weg sozusagen. Ich nehme Schuhe und Handtasche.”

Der von dem Hochschullehrer und Bestseller-Autor Steven R. Covey entwickelte Weg der dritten Alternative hat jetzt auch bei uns in der Küche Einzug gehalten. Keine Ahnung wie er reinkam, aber ich habe ihm nicht aufgemacht.